| Wo genau Lion Feuchtwanger in der Vollversammlung großer Romanciers des 20. Jahrhunderts Platz genommen hat, lässt sich derzeit schwer einschätzen. Zwar gehörte der 1884 geborene Sohn des reichen Margarinefabrikanten Sigmund Feuchtwanger und seiner ähnlich wohlhabenden Ehefrau Johanna spätestens seit dem Roman "Jud Süß" (1925) zu den populärsten deutschen Schriftstellern. Überdies fand er mit seinen zeitkritischen Bestandaufnahmen im Ausland große Resonanz, auch und gerade nachdem er infolge der Machtergreifung der Nationalsozialisten über Frankreich in die USA emigriert war.
Doch so hellsichtig Feuchtwanger den Aufstieg und die Barbarei des Dritten Reiches beobachtete, so arglos verfolgte er das Treiben in der stalinistischen Sowjetunion, der er seltsam paradiesische Qualitäten zuschrieb. Kein Wunder also, dass der in dieser Hinsicht allzu willfährige Schriftsteller 1953, fünf Jahre vor seinem Tod, mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet wurde. Feuchtwangers hellsichtige und in vielerlei Hinsicht beispiellose Analyse des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte bleibt davon unberührt und fasziniert seine Leser bis heute. Im Aufbau-Verlag sind alle drei Bände seiner wegweisenden Wartesaal-Trilogie nun in einem Schuber erschienen. "Erfolg" (1927-30), "Die Geschwister Oppermann" (1933) "Exil" (1937-39) verbinden auf mehr als 2.100 Seiten die kluge politische Analyse unter denkbar schwierigsten Bedingungen mit souveräner Erzähl- und Charakterisierungskunst. Feuchtwangers fesselnde Schilderung des Zusammenbruchs einer Zivilgesellschaft bietet über das historische Zeitgemälde hinaus eine Fülle zeitloser Aspekte, die den Betrachter unvermindert nachdenklich stimmen.
Lion Feuchtwanger: Erfolg, Die Geschwister Oppermann, Exil, Aufbau-Verlag, 24,95 €
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