| Und der Kommissar der Reichsmordkommission bekam ausreichend Gelegenheit, die Situation intensiv zu studieren, denn seine Erfinder Maj Sjöwall und Per Wahlöö legten ihre Romanreihe, die zwischen 1965 und 1975 erschien, von vorneherein auf zehn Bände an. "Die Grundidee", so gab Wahlöö 1966 zu Protokoll, "besteht darin, in einem langen Roman von rund 3000 Seiten (...) einen Längsschnitt durch eine Gesellschaft mit einer bestimmten Struktur darzustellen und Kriminalität als eine soziale Funktion und ihr Verhältnis zur Gesellschaft wie zu den verschiedenen, diese Gesellschaft umgebenden moralischen Lebensformen zu analysieren."
Wie sich Sjöwall und Wallhöö dabei zu einer dezidiert politischen Sichtweise vorarbeiteten, ist nun in der konzisen Neuübersetzung aller zehn Romane von Hedwig M. Binder nachzulesen. Sie bietet dem interessierten (Wieder)Leser neben den hoch spannenden, klar strukturierten und stilistisch überzeugenden Kriminalgeschichten ein fesselndes Zeitpanorama, das erstaunlich wenig von seiner Aktualität verloren hat.
Dass man den giftigen Invektiven der Autoren, die Arne Dahl im Vorwort zu "Und die Großen lässt man laufen" durchaus zu Recht mit der "enthumanisierten Seite der Linken" in Verbindung bringt, nicht überall Beifall spenden muss, tut der Faszination der Kommissar-Beck-Reihe keinen Abbruch. Im Gegenteil, gerade weil der unscheinbare Erzähler den Leser hier und da hakt und zerrt, bleibt die Lektüre nachhaltiger im Gedächtnis als die meisten anderen Versuche, aus einem guten Krimi einen großen Roman zu machen.
Maj Sjöwall und Per Wallhöö: Die Tote im Götakanal, Rowohlt, 8,95 €
Bei Rowohlt sind auch die anderen neun Kommissar Beck-Romane "Der Mann, der sich in Luft auflöste", "Der Mann auf dem Balkon", "Endstation für neun", "Alarm in Sköldgatan", "Und die Großen lässt man laufen", "Das Ekel aus Säffle", "Verschlossen und verriegelt", "Der Polizistenmörder" und "Die Terroristen" in der neuen deutschen Übersetzung von Hedwig M. Binder als Taschenbuch erschienen.
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