| Henning Mankell hat nicht nachgezählt, wie oft Martin Beck bei seinem Debüt "Die Tote im Götakanal" übel wird. Doch auffällig sei das schlechte Wohlbefinden allemal, bemerkt der Bestseller-Autor in einem launigen Vorwort zur Neuausgabe des Kultbuches, denn auch dadurch unterscheide sich der Ermittler überdeutlich von den Helden des klassischen Detektivromans oder den knorrigen Alles- und Immerkönnern, die dem angloamerikanischen hard boiled-Krimi ihren grimmigen Stempel aufdrückten.
Tatsächlich stellt Martin Beck im Verlauf des halben Jahres, welches die Aufklärung des perfiden Mordes an einer amerikanischen Touristin in Anspruch nimmt, immer wieder fest, dass sein Körper nicht so funktioniert wie er sollte, und Ähnliches gilt für den bedenklichen Zustand seiner Ehe, die Arbeit der schwedischen Polizei und die Entwicklung der Gesellschaft im Allgemeinen und im Besonderen. Das sind Probleme, mit denen sich C. Auguste Dupin, Sherlock Holmes, Sam Spade oder Philip Marlowe nicht beschäftigt hätten, doch sie verstanden unter dem vielschichtigen Begriff "Verbrechen" schließlich auch etwas völlig anderes als ihr Kollege aus dem hohen Norden.
In Becks Fällen erscheint es eben nicht als Resultat eines abnormen oder pathologischen Verhaltens einzelner Personen, sondern als Reflexion gesellschaftlicher Fehlentwicklungen und sozialer Verwerfungen, welche die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts immer deutlicher prägten.
weiter bitte
zurück zur Übersicht bitte | |