| "Die Judenbuche“ und ein paar Balladen – viel mehr scheint von Annette von Droste-Hülshoff nicht geblieben zu sein. Diesen nörgelnden Befund, den so mancher Schüler gern zum Anlass nehmen würde, sich überhaupt nicht mehr mit der Dame zu beschäftigen, teilen die Herausgeber dieser Maßstäbe setzenden, erstmals 2004 erschienenen und nun im schönen Schmuckschuber vorliegenden Ausgabe selbstredend nicht. Aber Bodo Plachta und Winfried Woesler tragen auch keinerlei Bedenken, das Urteil der Literaturgeschichte zu bestätigen. Wenn es denn sein muss und argumentativ nicht entkräftet werden kann: „Die Bemühungen Annette von Droste-Hülshoffs, sich im Dramatischen zu versuchen, müssen insgesamt als gescheitert angesehen werden.“.
Müssen die gescheiterten Bemühungen dann überhaupt zum wiederholten Male abgedruckt werden? Ja, sie müssen, weil sich diese Gesamtausgabe – wie eigentlich jede andere auch – als komplexes literarisches Universum versteht, in dem eine Schöpfung die andere nach sich zieht, so dass das große Ganze nicht darauf angewiesen ist, alle seine Teile zur Formvollendung reifen zu lassen. Auf geheimnisvolle Art korrespondieren sie eben doch miteinander, und - wer weiß? - vielleicht sind sie ohne einander gar nicht in ihrer vollen Bedeutung zu entschlüsseln.
Plachta und Woesler tragen jedenfalls ihr Möglichstes dazu bei, alle näheren Umstände und Voraussetzungen der hier versammelten Werke akribisch aufzuklären und sie dem Leser in verständlicher Art und Weise darzubieten. Irritierendes hat die Droste selbst genug mitzuteilen. Wer es nicht glauben mag, versuche es - zur Abwechslung von der „Judenbuche“ und dem „Knaben im Moor“ - doch einmal mit den „Geistlichen Liedern“.
Annette von Droste-Hülshoff: Sämtliche Werke, Insel, 49,90 €
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