| Mit der „Bibliothek des Mittelalters“ gelingt es dem Deutschen Klassiker Verlag immer wieder, die klaffende Lücke zwischen Leserinteresse und wissenschaftlicher Forschung zu schließen. Das ist umso wichtiger und bedeutungsvoller als auf diese Weise epochale Werke für den Buchmarkt zurückgewonnen werden, die schon dem Gedächtnis der Nachwelt zu entschwinden drohen.
Diesem ist Hartmann von Aue allenfalls noch durch das Epos vom „armen Heinrich“ geläufig, doch den gut 10.000 Versen des „Erec“ kommt als erster Artusroman des deutschen Mittelalters ebenfalls eine zentrale literaturgeschichtliche Rolle zu.
Die Geschichte des tapferen Abenteurers, der sich aus Liebe zu seiner Gattin Enite so sehr „verliegt“, dass „keiner mehr ihm das mindeste an Achtung entgegenbringen konnte“, dann aber doch in die Erfolgsspur des ritterlichen Daseins zurückfindet, liegt nun in einer Studienausgabe von Manfred Günter Scholz vor. Sie stellt dem mittelhochdeutschen Original die betont flüssige neuhochdeutsche Fassung von Susanne Held gegenüber, die den Abstand von gut 800 Jahren scheinbar mühelos überwindet. Neben hilfreichen Informationen zu Autor und Werk, zur Überlieferungsgeschichte und Interpretationsproblematik enthält der Anmerkungsteil, der etwa die Hälfte des Bandes ausmacht, einen monumentalen Stellenkommentar, der kaum noch Fragen offen lässt. Für Studierende und Wissenschaftler zweifellos eine unverzichtbare Ausgabe – doch auch der mit Hartmann unvertraute Leser kann hier – mit etwas Geduld, aber großem Ertrag – die Faszination des Mittelalters entdecken.
Hartmann von Aue: Erec, Deutscher Klassiker Verlag, 16 €
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