| Da Hofmannsthals Werke zuletzt auch auf deutschen Bühnen wieder vermehrt aufgeführt wurden, wäre eine stärkere Berücksichtung theaterpraktischer Aspekte sicher wünschenswert gewesen. Durch die eminent fachkundigen Beiträge und eine auf den neuesten Stand gebrachte Auswahlbibliografie, die Publikationen bis zum Jahr 2006 berücksichtigt, ist aber auch so ein empfehlenswertes Kompendium entstanden, das die Lektüre und Kenntnis größerer Teile des Hofmannsthalschen Oeuvres allerdings vielfach voraussetzt.
Ähnliches gilt für die Aufsatzsammlung „Realismus. Epoche – Autoren – Werke“, die von dem Bayreuther Literaturwissenschaftler Christian Begemann herausgegeben wurde. Die einzelnen Kapitel über die Medien des Realismus, die Prosabeiträge eines Stifter, Keller, Storm, Raabe, Meyer oder Fontane, die „Sondergattungen“ Lyrik und Drama und die schleichende Transformation in die ästhetische Moderne werden erst durch die genauere Kenntnis der Bezugstexte nachvollziehbar und ertragreich.
Durch die vorgeschaltete Auseinandersetzung mit dem vermeintlich eindeutigen, in der poetischen Praxis aber bis zur Unkenntlichkeit diffundierenden Begriffs „Realismus“ entsteht freilich ein Koordinatensystem, in dem sich die Leser schnell orientieren und eigene Schwerpunkte setzen können. Begemann weist gleich zu Beginn darauf hin, dass Realismus eben nicht als „pures Abbild des Vorfindlichen“, sondern vielmehr „als Bezug auf eine wesentliche und sinnstiftende Dimension der Wirklichkeit“ zu verstehen sei. Diese These wird u.a. von Harald Neumeyer überzeugend exemplifiziert, indem er am Beispiel von Storms berühmter Novelle „Der Schimmelreiter“ zeigt, dass sogar die vermeintliche Wirklichkeit „nicht vom Phänomen selbst verbürgt wird, sondern von der räumlichen Position des Betrachters abhängig ist.“ Auch die Epochendarstellung enthält einen umfangreichen Teil mit weiterführenden Literaturangaben, verzichtet aber – im Gegensatz zum Hofmannsthal-Band – bedauerlicherweise auf ein Personenregister, das ihre Funktion als Studien- und Arbeitsbuch naturgemäß unterstützen würde.
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