| Die zwanghafte Suche nach immer neuen Novitäten verstellt im Kulturleben oft den Blick auf die Erkenntnis, dass sich manche Werke und Arbeiten bewährt haben und durchaus verdienen, mehrfach betrachtet, analysiert und gewürdigt zu werden. Insofern ist es – unabhängig davon, dass eine komplette Neuedition sämtlicher Heine-Schriften kaum finanzierbar gewesen wäre – allemal sinnvoll, zum 150. Todestag des scharfzüngigen Chronisten die 30 Jahre alte Ausgabe von Klaus Briegleb vom Staub der Archive zu befreien und im kompakten Taschenbuchformat wieder einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.
Brieglebs Ausgangsüberlegung – "Heine ist kein Klassiker nach einem Begriff von Vollendung und Gattungsreinheit“ – überzeugt auch heute noch, und das gilt ebenso für die daraus folgende chronologische Anordnung der Texte, die der „natürlichen Zusammengehörigkeit" folgt. Die Weigerung des Herausgebers, „Dichtung“ und Journalismus“ im Werk Heines grundsätzlich voneinander zu trennen, mag bis heute nicht allerorten auf Gegenliebe stoßen. Dabei gibt es zu dieser Entscheidung keine ernsthafte Alternative, weil die geistige Spannweite des Autors und seine thematische und stilistische Variabilität nur so authentisch wiedergegeben werden kann.
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