| Wolfgang Amadeus Mozart war Zeit seines Lebens der unumstößlichen Meinung, dass „schlechterdings die Poesie der Musick gehorsame Tochter“ zu sein habe. Diese – von späteren Meistern nicht immer geteilte - Einschätzung hinderte ihn folgerichtig nicht daran, in die Gestaltung seiner Operntextbücher einzugreifen, denn die Leistung der Dichter war nur selten nach seinem Geschmack: „Wenn sie schon das Theater nicht verstehen, was die Oper anbelangt – so sollen sie doch wenigstens die Leute nicht reden lassen, als wenn Schweine vor ihnen stünden.“
Überpünktlich zum 250. Geburtstag, der 2006 mit Konzerten, Neuinszenierungen und Buchveröffentlichungen zelebriert wird, hat Reclam nun eine vollständige Ausgabe sämtlicher Opernlibretti herausgebracht und damit eine Editions- und Forschungslücke geschlossen, die überraschend lange offen bleiben konnte. Das von Rudolf Angermüller betreute 1000-Seiten-Werk basiert auf der Neuen Mozart-Ausgabe des Bärenreiter-Verlages und stellt so auch die italienischen Texte in einer konzisen deutschen Übersetzung vor. Dank kurzer Einführungstexte eignet es sich als Verständnishilfe, bietet darüber hinaus aber auch ausreichend Gelegenheit, die Qualitätssprünge nachzuvollziehen, die von der mit 11 Jahren komponierten „Schuldigkeit des Ersten Gebots“ über die großen da Ponte-Opern bis hin zur „clemenza di Tito“ führen. Schade nur, dass der Band keine weitergehenden Informationen über die einzelnen Librettisten enthält. Wer deren Verhältnis zum Götterliebling eingehender studieren möchte, sei auf Hajo Kestings Buch „Der Musick gehorsame Tochter. Mozart und seine Librettisten“ verwiesen, das soeben im Wallstein Verlag erschienen ist.
Wolfgang Amadeus Mozart: Sämtliche Opernlibretti, Reclam, 22,90 €
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