| Selbst Schiller-Experten können 2005 schon mal den Überblick verlieren, denn die Zahl der Veröffentlichungen, die zum 200. Todestag des Verewigten für einen mehr oder weniger langen Zeitraum das Licht der Öffentlichkeit erblicken, hört allmählich auf bezifferbar zu sein. Im Meer der gutgemeinten, aber nicht immer optimal gelungenen Analysen, Kommentare, Einordnungen und Wertungen geht die Stimme des „Jubilars“ zuweilen unter, und so ist im Grunde jede Verlautbarung dessen, der da eigentlich gefeiert werden soll, Anlass zur Freude und zum genaueren Hinhören.
Kaum ein Projekt bietet eben dazu ausgiebigeren Anlass als die sechs Dramen, die im Audio-Verlag in jeweils legendären Hörspielfassungen erschienen sind. Die Edition umfasst „Wilhelm Tell“ (1950), „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“ (1955), „Kabale und Liebe“ (1955), „Demetrius“ (1955) „Don Carlos“ (1959) und „Maria Stuart“ (1981). Die Besetzung der Hörspiele versammelt die Creme de la Creme des deutschen Sprechtheaters - Maximilian Larsen als Wilhelm Tell, Hansjörg Felmy als Bourgognino, Gert Westphal spricht den Präsidenten von Walter, Peter Mosbacher Demetrius, Eva Zilcher die Elisabeth von Valois, und Christiane Hörbiger ist als Maria Stuart zu hören.
Auf der Bühne werden diese und all die anderen Mimen in den großen Schiller-Rollen nicht mehr zu erleben sein, und darum bewahren die 571 CD-Minuten - trotz mancher Kürzungen am Original - auch ein Stück Kultur-, will sagen: Sprach- und Theatergeschichte auf. Erfreulicheres wird sich über die wenigsten Würdigungen dieses Jahres sagen lassen - denn mehr Schiller geht nur auf den Brettern, die die Welt bedeuten.
Friedrich Schiller: Dramen, Der Audio Verlag, 49 €
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