| Überraschende, neue Sinnzusammenhänge erschließende Wortschöpfungen und einprägsame Stimmungsbilder fehlen auch in diesem Lyrikband nicht gänzlich, und doch erwecken die Texte über weite Strecken den Eindruck, als habe ihr Autor kritische Einwendungen durch die Wahl des Titels bereits vorwegzunehmen gesucht.
Aber Kunert wird Anderes beabsichtigt haben als seine Leser nach der Lektüre des schmalen Bändchens mit der faden Erkenntnis zurückzulassen, dass sich hinter den meisten Texten tatsächlich keine Botschaft verbirgt. Jedenfalls keine, die man nicht schon hundertfach gehört, gelesen und von allen Seiten diskutiert hätte.
Fade Betrachtungen über die Vergänglichkeit des Daseins und die Einsamkeit des Individuums verbinden sich hier mit haarsträubenden Plattitüden („In einem Netz von Ämtern eingefangen, / verlierst du samt und sonders deine Tage.“), bemühten Reimen („schien/Utopien“), verqueren Bildern („des Alltags Katarakt“) und ermüdenden Kunstbetrachtungen („EDWARD HOPPER: Zwei Nachtschwärmer / in jener Stadt, die nie schläft.“), deren einziger Sinn im Füllen der wenigen Seiten zu bestehen scheint. Unter diesen Umständen werden die Selbstdiagnosen auch durch den – eigentlich spannungsreichen - Wechsel der literarischen Traditionen, der den Leser von frei rhythmisierten Versen über Elegien bis zu gereimten Betrachtungen führt, für Außenstehende leider nicht interessanter.
Günter Kunert: Ohne Botschaft, zu Klampen, 17 €
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