| „Wo das Weib die Sclavin des Mannes, wo sie ohne höhere Liebe an ihn gefesselt, wo sie ausgeschlossen ist vom öffentlichen Leben, wo sie keine berathende Stimme hat im großen Familienverbande der Nation, da gibt es keine Kultur!“
Gut gesprochen für ein Damen Conversations Lexikon der 1830er Jahre, aber das Grundproblem des von Carl Herloßsohn „im Verein mit Gelehrten und Schriftstellerinnen“ herausgegebenen Nachschlagewerks lässt sich mit schönen Worten leider nicht beheben. Doch gerade weil eine deutlichere Rollenzuweisung als die durch Titel und Konzept realisierte kaum denkbar ist, verrät dieses 10bändige Lexikon viel über die gesellschaftliche Stellung der Frauen vor gut 150 Jahren. Und mehr noch: die Betrachter der launigen Artikel erfahren allerlei Wissenswertes über Zeitgeschmack und Bildungsinhalte - „Hamlet, der Held des berühmtesten aller Shakespear'schen Meisterwerke, dessen Inhalt jeder Gebildete hinreichend kennt, (...).“ -, Geschichte oder Geografie sowie künstlerische und wissenschaftliche Themen, „je nachdem sie sich der weiblichen Sphäre mehr oder weniger nähern“.
Kein Zweifel, die Lektüre dieses historischen Schätzchens, das alternativ als Neusatz und Faksimile angeboten wird, ist streckenweise höchst amüsant und aufschlussreich. Gleichwohl darf der Umstand, dass die Leserinnen und Leser heute ein- und dieselben Lexika benutzen, als beträchtlicher Fortschritt gewertet werden!
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