| Wenn Hugo von Hofmannsthal das Licht mit purpurner Hand löscht und die Welt wie ein buntes Gewand abstreift, klingt das schon in Prosa einladend und geheimnisvoll. Umso faszinierender präsentieren sich Hofmannstahls und viele andere Nachtgedanken in lyrischer Form.
Wenn Brentano eine "Liebesnacht im Haine" verbringt, Trakl die "dunkle Rosenkranzstunde" beschwört, Erich Kästner den Abendwind daran verzweifeln lässt, dass Hüte bleiben, was sie sind, und Eichendorff seine Seele in der vielleicht schönsten Mondnacht der Literaturgeschichte nach Hause fliegen lässt, wird auch nüchternsten Zeitgenossen klar, dass zwischen Abend- und Morgendämmerung Besonderes vor sich geht.
In dem von van Goghs „Caféterasse bei Nacht“ verdunkelten Reclam-Bändchen sind 50 der wunder-vollsten deutschsprachigen Gedichte versammelt, die der poetischen und geschäftstüchtigen, trostreichen und beängstigenden, liebestrunkenen und gewalttätigen Zeitspanne in fast 300 Jahren gewidmet wurden. Zum Einschlafen denkbar ungeeignet!
Die Nacht – Gedichte, Reclam, 3 €
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