| Enzensberger/Leins: Mond und Muschel
Mitte des 16. Jahrhunderts bemühte sich der spanische Franziskanermönch Bernardino de Sahagún um die Wiederbelebung einer Welt, die sein Landsmann Hernando Cortez dem Erdboden gleichgemacht hatte. Er veranlaßte seine Schüler, Überlebende des uralten Aztekengeschlechtes, sich ihrer Erinnerungen und Lebenserfahrungen zu vergewissern und dieselben für die Nachwelt aufzuzeichnen.
Die so entstandenen Texte wirken bei aller Übersichtlichkeit und klaren Struktur mythisch und geheimnisvoll, als sei der Wille zur sprachlichen Konstruktion nur unterbewußt vorhanden. Sie bestechen durch verblüffende Einfachheit und archaische Wucht, sind gleichzeitig Dokumentation und Poesie, eine bekenntnishaft fragmentarische Spurensuche, die auf den Leser des 21. Jahrhunderts seltsam befremdend und doch ungeheuer eingängig wirkt.Das aufwendig gestaltete Buch gewährt einen faszinierenden Einblick in die durch abendländische Gewalt untergegangene Kultur des alten Mexico. Die Bilder von Christine Leins und der ungeschminkte Kommentar Hans Magnus Enzensbergers tragen maßgeblich dazu bei.
Enzensberger/Leins: Mond und Muschel, Aufbau-Verlag
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