| Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
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Kunsthalle Karlsruhe im Kunstportal Baden-Württemberg
Das besondere Blatt - Ausgewählte Meisterwerke aus dem Kupferstichkabinett
02.05. – 02.07.2006 im Hauptgebäude, Vorlegesaal: Friedrich Weinbrenner (1766-1826) - Das Karlsruher Hoftheater, Querschnittzeichnung, 1806Uhr:Vorhang auf – Bühne frei! Ein Architekt fertigt eine großformatige Zeichnung eines Theaterneubaus, und um den Entwurfsplan dem technischen Zusammenhang zu entheben, füllt er den Bildausschnitt des Bühnenraums mit einer locker skizzierten Freihandzeichnung. Die hauchdünnen Linien in der Mitte des Blattes machen neugierig. Wir erkennen einen weiträumigen Platz, dessen angrenzende Gebäude in strengen klassizistischen Formen die Platzanlage umfassen. Im Bildhintergrund, dort wo die Fluchtpunkte der perspektivischen Zeichnung zusammenlaufen, erhebt sich ein Turm mit nadelförmiger Spitze. Es ist der barocke Turm des Karlsruher Schlosses - der Residenz der Markgrafen und Großherzöge von Baden. Zur Verschönerung ihres Residenzstädtchens übertrugen sie Anfang des 19. Jahrhunderts zahlreiche Bauaufträge an den in Karlsruhe aufgewachsenen Friedrich Weinbrenner, der seine Studienjahre überwiegend in Rom verbrachte.
Nach dem Vorbild antiker Bauten entwickelte Weinbrenner für das Karlsruher Hoftheater ein Zuschauerrund mit amphitheatralisch aufsteigenden Logenrängen. Kunstvoll, ja luxuriös präsentieren sich die großen eingepassten Säulen, Karyatiden, ornamentierten Architrave und Brüstungen. Durch die eingezeichneten Schlagschatten verleiht Weinbrenner dem Entwurf eine greifbare Plastizität. Anders hingegen die von einem diffusen, nahezu magischen Licht erhellte, nur hauchdünn lavierte Bleistiftzeichnung in der Bildmitte. Die scheinbar flüchtig festgehaltene Skizze birgt eine Überraschung: Hier projeziert der Baumeister eine Vision des künftigen Karlsruher Markplatzes. Zwar stand noch an Ort und Stelle die alte Konkordienkirche, sie wurde jedoch im folgenden Jahr zu Gunsten der städtischen Neustrukturierung abgetragen. Denn Karlsruhe sollte eine neue, von klassizistischen Bauwerken umsäumte, idealtypische Stadtmitte erhalten!
Während der Marktplatz inzwischen ein viel bewundertes Ensemble des Klassizismus darstellt, ist das einst neben dem Karlsruher Schloß gelegene Hoftheater aus dem Stadtbild verschwunden. Kurz nach Beginn einer Veranstaltung im Jahr 1847 löste ein Bedienungsfehler der Gasbeleuchtung eine Brandkatastrophe aus, die viele Menschenleben forderte und das Gebäude in Schutt und Asche legte. Das anschließend von dem Weinbrenner-Schüler Heinrich Hübsch (1795-1863) konzipierte neue Hoftheater wurde nach der Kriegszerstörung im Jahr 1944 nicht mehr aufgebaut - heute befinden sich hier die in den 1960er Jahren errichteten Pavillons des Bundesverfassungsgerichtes.
Der Bestand des Kupferstichkabinetts der Kunsthalle umfasst neben 51 Planzeichnungen auch zahlreiche Skizzenblätter sowie verschiedene Exemplare illustrierter Bücher von Friedrich Weinbrenner.
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