| Anläßlich des 50. Jubiläums der Partnerschaft Karlsruhes mit der lothringischen Stadt Nancy zeigt das Kupferstichkabinett der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe im Rahmen der „Französischen Woche“ seinen Bestand an Radierungen von Jacques Bellange. Dieser Maler und Graphiker war ein Zeitgenosse Jacques Callots (1592-1635), mit dem er gemeinsam am Hof von Nancy wirkte. Urkundlich belegt ist Bellanges Tätigkeit von 1602 bis 1616 unter der Regierung der Herzöge Karl III. und Heinrich II. von Lothringen. Ende des Jahres 1616 erscheint sein Name nicht mehr in den höfischen Gehaltslisten und eine kurze Randnotiz vermerkt, dass er im selben Jahr verstorben sei. Ansonsten ist kaum etwas über das Leben und Wirken Bellanges bekannt. Von seinen Gemäldezyklen und Aufträgen am Hof haben sich weder Dokumente, Beschreibungen noch die Originale erhalten, Bellanges Arbeit ist vorwiegend in Radierungen und einigen wenigen Gemälden überliefert.
Sein Stil zeichnet sich durch eine für den Manierismus charakteristische Übertreibung aus, die sich in langgezogenen und unruhig bewegten Formen äußert. Die exaltierten Gebärden seiner Figuren und ihre verlängerten Proportionen lassen die Darstellungen unwirklich erscheinen und erwecken den Eindruck einer Inszenierung. Kühne Perspektiven unterstreichen die bizarre Künstlichkeit und lassen die religiösen, mythologischen und weltlichen Szenen wie Schauspiele erscheinen. In seiner sehr individuellen Radiertechnik entwickelte Bellange stilistische Eigentümlichkeiten, die zu seiner Zeit einzigartig waren. Dichte Kreuzschraffuren und zarte Paral-lellinien modellieren die einzelnen Motive, einzig bei der Wiedergabe von Inkarnat verwendete er eine tüpfelnde, punktierende Manier, die der Haut ihre charakteristische Weichheit verleiht. Auch die Kleider sind von kontrastreicher Wirkung: Durchsichtige Gewänder schmiegen sich an den Körper und offenbaren seine sinnlichen Formen, daneben türmen sich knisternde Stoffbahnen zu aufbauschenden Faltenmassen. Diese aufwändige und fantastische Kleidung, die kunstvoll drapierten Frisuren sowie die gezierten Bewegungen der Personen zeugen von einer Extravaganz, die auf einen höfischen Hintergrund verweist. Wie zur Präsentation drehen und wenden sich die Figuren vor den Augen des Betrachters.
Von Bellanges Radierungen sind lediglich 48 in wenigen erhaltenen Exemplaren überliefert. Das Kupferstichkabinett der Kunsthalle besitzt neun seltene und vorzügliche Abzüge dieses Œuvres. Die Ausstellung im Vorle-gesaal bietet damit die einmalige Gelegenheit, die preziösen Originalradierungen dieses Künstlers aus Nancy zu studieren.
zurück zur Übersicht bitte | |