| Die spätmittelalterliche Malerei, zu der Werke von Dürer, Grünewald und dem Meister der Karlsruher Passion zählen, zeichnet sich durch eine expressive Farbigkeit und eine ungeschönte Darstellung der Leiden Christi aus. Jesus Christus schwitzt Blut, sein von den Schergen der Machthaber malträtierter Körper wird zum Inbegriff menschlicher Not und menschlichen Leidens. Diese Bilder sollten in den Kirchen ihr Publikum zum Mitleiden bewegen und dienten dem frommen Auftrag der Kirche.
Miroslaw Balka: "Wir sehen dich" Installationsansicht Staatliche Kunsthalle Karlsruhe. © Foto: Norbert Miguletz Wenn ein Künstler wie Balka diesen Faden aufnimmt, wird daraus etwas anderes, etwas, das mit unserer Gegenwart verbunden ist. Unsichtbare Leiden von heute, aber auch Erinnerungen an die Menschheitskatastrophen des 20. Jahrhunderts klingen an. Der Tod ist ein überzeitliches Thema, dessen Schrecken und Verheißungen zu den großen Fragen der Menschheit gehört. Durch den Eingriff des Künstlers in die Welt der alten Bilder erschließen sich aber auch andere Aspekte, etwa die Alltäglichkeit und Banalität des Bösen, die Komik und das Groteske an einem ungewohnten Ort.
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