| Der Parcours, den er in die Sammlungsräume baut, unterwirft den Besucher einerseits einem bestimmten Wegesystem, bietet ihm andererseits aber auch Stationen, an denen er umsteigen, aus- und einsteigen kann. Der Gang schränkt die Bewegung ein und rhythmisiert die körperliche Erfahrung, lässt aber auch den Blick nach draußen, auf die Bilder der Sammlung zu. Balka inszeniert das Bedürfnis nach einem unverstellten Blick auf die Kunstwerke einer anderen Zeit. Der Titel „WIR SEHEN DICH“, der auf ein gleichnamiges Gedicht von Paul Celan zurückgeht, bekommt auf diese Weise eine neue Bedeutung. Im Kontext der Ausstellung wird aus der Behauptung eine Frage: Was sehen wir eigentlich? Und was sehen wir im üblichen musealen Kontext, was in einem „gestörten“ oder abgewandelten musealen Kontext? Gibt es mehr als eine visuelle Brücke zwischen unserer Welt und der einer weit zurückliegenden Epoche? Sehen wir durch die Verrückung der Perspektive anderes und: Sehen wir mehr?
Miroslaw Balka: "Wir sehen dich" Installationsansicht Staatliche Kunsthalle Karlsruhe. © Foto: Norbert Miguletz Mit diesem Projekt startet das inhaltliche Programm der neuen Direktorin der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, Prof. Dr. Pia Müller-Tamm. In der Zukunft wird es vermehrt Dialog-Ausstellungen geben, bei denen ein zeitgenössischer Künstler oder eine Künstlerin sich mit Teilen der hochrangigen Karlsruher Sammlung auseinander-setzt. Diese Strategie ist nicht allein den fehlenden Sonderausstellungsräumen geschuldet, sondern verfolgt die Idee einer Befragung alter Kunst durch neue Kunst, also einer auf die Gegenwart bezogenen Anschauung. Dabei spielt der künstlerische Kontext – wie in diesem Fall – die altdeutsche Malerei eine zentrale Rolle.
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