| MC Solaar ist wieder da. Bekannt wurde er 1991 mit „Qui seme le vent recolte le tempo" und wurde schnell in die Schublade „Acid Jazz" gesteckt, obwohl er schon damals nichts anderes als Hip Hop machte. Auch wegen dem schwindenden Interesse an „Acid Jazz" ging seine nächste Platte unter und obwohl sie ziemlich genial ist, könnte „Paradisiaque" das gleiche Schicksal beschieden sein. Dabei gibt es für laue Sommernächte kaum eine bessere Musik. Was MC Solaar schon immer auszeichnete ist diese unglaubliche Eleganz mit der er seine Texte vorträgt, dabei wechselt er manchmal von Rap zum Toasting und wieder zurück, was einerseits seine technischen Fähigkeiten unterstreicht und andererseits eine spielerische Leichtigkeit suggeriert, die der Musik eine bestimmte Coolness gibt, die sehr ansteckend wirkt.
Hinzu kommt, daß die Musik, die übrigens sehr, sehr einfallsreich arrangiert ist, was einem beim ersten hören vielleicht nicht auffällt, über ein bestimmtes Tempo nicht hinausgeht, also entsprechend relaxt daherkommt. Dabei ist das ganze kein reiner Wohlklang, sondern hat seine Widerhaken, was die CD nur noch interessanter macht. Ist man des französischen also nicht mächtig, kann man sich entspannt in seinen Liegestuhl genießen und zu dieser Musik ungestört vor sich hin träumen. Versteht man jedoch, über was Claude MC das spricht, kann man das ganze vielleicht doch nicht so uneingeschränkt genießen. Denn MC Solaar ist ziemlich subversiv und hat in diese entspannte Art zu rappen als Verpackung für ziemlich drastische Texte deren Themen von den sozialen Problemen, vor allem der afrikanischen Einwanderer in Frankreich, über Zwischenmenschliches, bis hin zur Anklage gegen Umweltverschmutzung reichen. Dabei findet Claude MC sehr treffende Beispiele und Wortspiele. Ich finde die Platte musikalisch unglaublich ansprechend und die Texte regen zum Nachdenken an, auch wenn man vielleicht oft zur Erkenntnis kommt, daß man am Lauf der Dinge nicht viel ändern kann, denn wir wissen alle was schief läuft, schauen aber trotzdem dabei zu. Für die, die kein Französisch sprechen, sind die Texte übrigens auf deutsch beigelegt.
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