| Melancholie ist seit jeher die Sache der Tindersticks. Es gibt sicher kaum eine elegischere Musik als z.B. die auf „Curtains". Ja, das ist Kitsch, das ist bombastisch und ausufernd, aber es macht einfach Spaß sich manchmal seinem Weltschmerz hinzugeben. Ein Widerspruch in sich? Ich glaube nicht. Dieses Mal haben die Tindersticks mit großem Aufwand produziert. Die Arrangements sind durchdacht und bis ins kleinste Detail clever angelegt. Immerhin wird hier in großer Besetzung, mit Bläsern und Streichern gespielt. Das musikalische Spektrum reicht von der einfachen Ballade bis hin zu jazzigen Spielereien oder auch Westernfilmusik mit mexikanischen Anleihen.
Teilweise, z.B. beim fünften Stück wird es auch mal richtig schräg, mit sägenden Gitarren und Ähnlichem. Die Platte ist sehr abwechslungsreich, in jedem Stück wird eine andere Gefühlsnuance transportiert. Und Sänger und Mastermind Stuart Staples erzählt mit seiner rauchigen, sicher im ersten Moment gewöhnungsbedürftigen Stimme die passenden Geschichten dazu. Wie überhaupt seine Stimme sicher mit den größten Anteil hat am speziellen Reiz, der von dieser Musik ausgeht. Dies ist sicher auch mit ein Grund, warum mir „Curtains" ungleich besser gefällt, als der vorangegangene Soundtrack zum Film „Nenette et Bonni", da hat mir einfach diese Stimme gefehlt. Jedenfalls stellt „Curtains" den bisherigen Höhepunkt im Schaffen der Tindersticks dar, was die Qualität der Songs ebenso wie die Produktion der Platte angeht. Wie gesagt, die richtige Platte, um in einsamen Nächten seinen Weltschmerz zu pflegen.
Tindersticks: Curtains, Universal, 9,99 €
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