| Wir berühren ein Universum - über den Lyriker Martin SchmittAllesnichtsDie Photographien von Sebastiao Salgado, die Filme von Bunuel, der Pförtner des Hotels, der in einem Abfallkorb wühlt, der Kellner einer nicht bemerkenswerten Kaschemme am Pont de Levallois, der uns nachruft: ihr seid nicht verloren! der Regen, der aus einem ahnungslosen blauen Himmel stürzt, die Alten, die mit ihren ausgefüllten Lottozetteln das große Glück kaufen, um aus der hoffnungslosen Vorstadt davon zu fliegen.
© Bild: Martin Schmitt Wir ahnen etwas, wir scheinen durchgebrochen zu sein durch die Wand, mit einem Finger, einer Hand gar zu fühlen, daß jedes zu jedem gehört, daß die Anmaßung von heute morgen das heulende Elend sein kann, aber nicht muß, eine Feder, ein Schmetterlingsflügel, ein Preßlufthammer; wir ahnen etwas, wir berühren ein Universum, Welten streifen sich, rempeln sich an, Kontinente bersten, verschlucken sich, schmiegen sich aneinander. Das Auffliegen eines Vogels entspricht dem Todesschrei eines Kindes, das orgasmische Stöhnen entspricht dem letzten Seufzer eines Todkranken, Peitsche und Wollfaden sind sich so nah, daß sie sich umarmen könnten. Wir sind nichts, heute. Wir sind alles, morgen. Wir sind übermorgen genau die gleiche Frage. Wir greifen nach dem Stern oder der Stern greift nach uns. Allem sind wir nah, alles ist uns nah - und nichts.
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