| Kunstbücher Die Rekonstruktion der Malerei
Gerhard Richter | Editionen 1965 - 2004In diesem Sinne können wir die Arbeitsweise, die Butin bei Richter erkennt, als rekonstruktiven Ansatz begreifen: Richter vergewissert sich der Bedingungen der Möglichkeiten - eine Kant’sche Formulierung, die ich für genial halte – seines Tuns.
Butin erklärt uns dies so: “Er entfaltet auf fast enzyklopädische Weise ein System der Malerei, Druckgrafik und Fotografie - um nur die zentralen medialen Produktionsformen zu nennen, indem er die verschiedenen historischen Paradigmen (Figuration, Abstraktion, Monochromie, Farbe als Ready-made, Raster, Zufallsprinzip, optische Täuschung usw,) und Bildgattungen (Historienbild, Porträt, Landschaft, Akt, Stillleben usw,) untersucht und auf ihre aktuellen Realisierungsmöglichkeiten abklopft. Er lotet also aus einer reflexiven, konzeptuellen Position die heutigen Möglichkeiten all dieser bildnerischen Formen aus und schafft sich damit die überzeugende Legitimierung seiner eigenen künstlerischen Praxis.“
Butin zeigt uns in diesem Buch, wie wir von Gerhard Richter Kunstgeschichte lernen können, inklusive der eigenen Kommentare und Schlußfolgerungen Richters, zu dessen künstlerischem Schaffen hier ein ganz neuer Zugang entsteht.
Sehr interessant ist auch die Diskussion, ob Richter in erster Linie Maler ist, oder eher Konzeptkünstler, oder ein Maler, der wie ein Konzeptkünstler denkt oder ein Konzeptkünstler, der ganz bildnerisch arbeitet. All dies rekapituliert Butin für uns miß größter Sachkenntnis. Wir wollen nun keinesfalls – etwa mit weiteren Zitaten – versuchen, den Inhalt des Kataloges zusammenzufassen, wofür hier auch nicht der Platz ist.
Der Katalog ist durchweg lesens- und eben auch sehenswert, zumal Gerhard Richter über seine eigene Arbeitsweise sagt: “Ich habe eben nicht ein ganz bestimmtes Bild vor Augen, sondern möchte am Ende ein Bild erhalten, das ich gar nicht geplant hatte. (...) Ich möchte ja gerne etwas Interessanteres erhalten als das, was ich mir ausdenken kann.“
Wir hatten ja an anderer Stelle – im Künstlerporträt über Dietmar Zankel – die Vermutung entwickelt, das wir (Menschen) uns nichts vorstellen können, das wir nicht auch verbal beschreiben könnten.
Gerhard Richter formuliert hier sehr genau, daß und warum die Bildende Kunst hier Ausdrucksmöglichkeiten hat, die über die unserer Sprache hinausgehen.
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