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aufhören, um von vorn anzufangen
Picasso – Malen gegen die ZeitSexuelle Motive dominieren das Spätwerk Picassos; so schreibt Werner Spiess: “Von den 147 Zeichnungen und Gemälden schließlich, die Picasso in den letzten Monaten seines Arbeitslebens produzierte (…), beschwören nicht weniger als 43 Prozent den Unterleib“…(S. 20 f)
Die vieldiskutierten Deformationen in Picassos Bildern versteht Spiess nicht als Verunstaltungen, sondern erklärt diese durch die ganz spezifische Sichtweise des Künstlers: “Picasso tastet in diesen von Fleisch überquellenden Bildern Körper ab, über die er mit den Augen und mit den Händen verfügt. Er möchte sie nicht als Gemälde, er möchte sie – wie Pygmalion seine Galatea – als greifbare Objekte besitzen“ (S. 27).
Wer dieserart am Leben hängt, kann eines sicher nicht: den Tod akzeptieren:
Nicht im Leben, nicht in der Kunst:
“Das schlimmste ist, es ist nie etwas abgeschlossen, es gibt nie den Moment, wo man sagen kann: Ich habe gut gearbeitet und morgen ist Sonntag. Sobald man aufhört, ist's, um von vorn anzufangen. Man kann ein Bild sein lassen und beschließen… Aber man kann nie darunter schreiben: Ende“ (Seite 28 f) Eitelkeit getarnt als selbstkritische Bescheidenheit; das ist nicht wirklich neu.
Treffend schreibt Felicitas von Lovenberg in einem Statement zur Spätwerkausstellung: “Denn die bittere Wahrheit über die Wahrheit ist, dass sie weh tut – auch im Bild“ (FAZ, 27.01.2007, Seite Z3). Auch wenn dies wohl stimmt, so gibt es doch auch echte Bescheidenheit und eben auch versöhnlichere Wahrheiten - beispielsweise bei Lao-Tse, dem alten Meister des Tao, der da schrieb: “Wer stirbt und doch nicht vergeht, der lebt.“ Und warum sollte diese Aussage nicht auch gelten für jemanden, der nicht daran glaubt?
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