| Vortragssaal, Reinhold-Frank-Strasse 81 / Vordergebäude Rainer Metzger, Kunsthistoriker, Autor und Dozent, fragt in seinem Vortrag am 05. Mai (19:30) in der Kunstakademie Karlsruhe, nach der Zusammengehörigkeit von Kunst und Ort. "To remove the work means to destroy it": Dieser Satz stammt von Richard Serra, dem us-amerikanischen Plastiker und Erfinder großdimensionierter Stahlobjekte. Eines der Werke, die ihn bekannt gemacht hatten,"Tilted Arc", war im Jahr 1981 auf einem Platz in Lower Manhattan aufgestellt werden. Nun sollte es auf Geheiß des seinerzeitigen Auftraggebers wieder entfernt werden. Das Werk aber, so führte Serra aus, sei für diese und für keine andere Stelle entworfen. Es gehöre genau hierher, denn es funktioniere eben ortsspezifisch.
Knapp 200 Jahre früher bringt Antoine Chrisostome Quatremère de Quincy, Kunstfunktionär, Kritiker und eine der Leitfiguren der französischen Antiken-Rezeption um 1800, sein eigenes Unbehagen auf einen Begriff, der demjenigen Serras ziemlich verwandt ist. "Zu trennen bedeutet zu zerstören"/"diviser c'est détruire", argumentiert Quatremère. Auch bei ihm geht es um die Gefahr, dass Kunst den Ort, mit dem sie auf die organischste Art und Weise verbunden scheint, verlassen muss. Dem großen Museum Rom drohte die Zerlegung, denn Napoleons siegreiche Truppen überführten die vor allem antiken Kostbarkeiten ins neue Weltmuseum Louvre. Die Beobachtung, dass sich über zwei Jahrhunderte hinweg die Argumente ähneln, ist Grundlage des Vortrags. Beide Quatremère wie Serra, haben den gleichen Gegner, das Prinzip Abtransport. Und sie haben in durchaus gleichem Maß die Vorstellung einer Zusammengehörigkeit von Kunst und Ort. Der Vortrag fragt, auch in Hinblick auf einen gerade ausgerufenen "Spatial Turn" in den Wissensformationen, was davon zu halten ist. (Rainer Metzger)
Biografische Daten Rainer Metzger, geboren 1961. Kunsthistoriker und Autor, lebt in Wien. Privatdozent für Kunstgeschichte an der Universität Stuttgart. Korrespondierendes Mitglied der Wiener Secession. 1996 ist erschienen Kunst in der Postmoderne - Dan Graham (Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln), 2003 Der Tod bei der Arbeit. Bilder der Gewalt/Gewalt der Bilder - ein Führer für Wien (Christian Brandstätter Verlag, Wien) sowie Anfang 2004 Buchstäblichkeit. Bild und Kunst in der Moderne (Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln). 2002 Herausgeberschaft des Themenbandes "Über das Kanonische", Kunstforum international Bd. 162 sowie 2003 des Themenheftes "Kunstkritik", Parnass Bd. 3/2003.
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