| In der Folge gerät der Spanische Bürgerkrieg zum Stellvertreterkrieg konkurrierender Ideologien und Weltbilder und gilt als erster wirklicher Medienkrieg in der Geschichte der Kriegsfotografie. Beide Lager bedienen sich von Anfang an der internationale Illustriertenmagazine und parteinahen Presseorgane, um ›ihren Krieg‹ in der Öffentlichkeit zum ›gerechten Krieg‹ zu stilisieren. Technische Innovationen wie die handliche Kleinbildkamera und die Vertriebsstrukturen einer sich rasant verändernden Medienlandschaft leisten dieser Entwicklung Vorschub.
Der investigative Bildjournalismus nimmt hier seinen Anfang. Der Fotograf dokumentiert nicht länger aus neutraler Distanz. Er wird zum teilnehmenden Berichterstatter: Politisch motiviert und moralisch überzeugt, nähert er sich dem Geschehen an vorderster Front, dokumentiert aus der Perspektive des Soldaten. Aufnahmen, die unter Einsatz des eigenen Lebens entstehen, bürgen für Authentizität, befriedigen gleichzeitig aber auch das wachsende Sensationsbedürfnis einer in Millionenauflagen erscheinenden Tages- und Illustriertenpresse: Combatfotografie. Viele jener Journalisten und Foto3 grafen, die sich einer ›teilnehmenden Kriegsberichterstattung‹ verschreiben, stammen aus den Reihen der deutschen linken Exilgemeinde. Hatten sie in Deutschland den Widerstand kampflos aufgeben müssen, bietet sich ihnen hier die Chance durch ihre Berichterstattung die Weltöffentlichkeit zu mobilisieren und dem Antifaschismus zum Sieg zu verhelfen. Gerda Taro gehört zu ihnen.
Taros Aufnahmen zeigen die Bewohner der katalanischen Hauptstadt, ›uniformiert‹ in Arbeiterhosen und Milizoverall (dem so genannten Mono Azul), bei ihrer Rückkehr in den Alltag: Paare im Café mit Gewehr in der Hand, Frauen beim Waffentraining am Strand oder Kinder in Milizkleidung, die auf verlassenen Barrikaden spielen. Der Ruf nach Revolution schwingt in diesen Bildern mit. Auch entlang der Aragonfront herrscht zu diesem Zeitpunkt weitgehend Waffenruhe. Auf den Fotografien von diesem Frontabschnitt sind Milizeinheiten zu sehen, die sich im Gelände üben, und Bauern beim Einbringen der Ernte. Mit dem Eingreifen italienischer und deutscher Truppen auf Seiten der Aufständischen verändert sich der Krieg und mit ihm die Bilder. Großflächige Bombardements ganzer Städte und die gezielten Angriffe auf die Zivilbevölkerung hinterlassen ein bisher nicht gekanntes Maß an Zerstörung. Das Elend der Flüchtlinge, Kampfgefechte, Verwundete und Tote bestimmen das Bild vom Krieg in der Öffentlichkeit.
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