| 1970 gründete Daniel Spoerri die Eat Art Galerie in Düsseldorf, für die zahlreiche berühmte Künstler von Dieter Roth bis Joseph Beuys und Roy Lichtenstein Objekte aus essbaren Materialien und Lebensmittelabfällen produzierten. Auf über 1.200 Quadratmetern entfaltet die Sonderausstellung im Kunstmuseum Stuttgart das Spektrum der Eat Art bis in die Gegenwart. Der künstlerische Umgang mit der Grundsubstanz Nahrung stellt eine elementare Schnittstelle von Kunst und Leben dar. Seine Aktualität bezieht er aus Themen wie Überfluss und Hunger, Konsum- und Globalisierungskritik, modernen Ernährungslehren und Koch-Shows, Schlankheitswahn und Fast Food.
Die über hundert Exponate umfassende Werkschau gliedert sich in zwei ineinander greifende Abschnitte. Ein kleinerer historischer Teil widmet sich den Wurzeln der Eat Art: zentrale Arbeiten Daniel Spoerris, einige der »Fallenbilder« und Teile seiner Rezeptbuchsammlung, werden neben den wichtigsten für die Eat Art Galerie entstandenen Multiples gezeigt, darunter Werke von Dieter Roth, Joseph Beuys, André Thomkins, Günther Uecker, Ben Vautier, Günter Weseler und anderen. Die Materialcollagen, Schimmelbilder und Lebensmittel-Skulpturen Roths schlagen die Brücke zwischen der Stuttgarter Sammlung und der aktuellen Sonderausstellung.
Das Kunstmuseum Stuttgart, das einen umfangreichen Bestand an Werken von Dieter Roth besitzt, zeigt im Untergeschoss zahlreiche Arbeiten des Künstlers. Der Hauptteil der Sonderausstellung präsentiert das breite Spektrum an jüngeren Positionen, die sich mit dem Einsatz alimentärer Materialien beschäftigen. Kochen und Essen als gesellschaftliche und kulturelle Inszenierungen bilden den Ausgangspunkt für Christine Bernhards ethnologisch fundierte Recherchen, Arpad Dobribans kommentierte Gastmahle, Lili Fischers Gewürzpredigt sowie Dustin Ericksens und Mike Rogers Sammlung von Künstlern benutzter Trinkgefäße. Sonja Alhäuser, Anya Gallaccio, Judith Samen und Jana Sterbak verbindet das bildhauerische Interesse am Umgang mit Lebensmitteln, die durch ihre sinnliche, körpernahe und vergängliche Materialästhetik reizen.
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