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Julia Sander © Foto: privat begründung
fremdseits - der titel macht gespannt. "deine mir fremde stimme" - ein widerspruch, das "du" vermittelt nähe, die fremde stimme wiederum lässt die nähe in einem augenblick dahinschmelzen. "es dauerte jahre der/ herzstille/ bis ich sie wieder sprechen will", die sprache, die keiner verstand; und eine brechung, die erst einmal verwirrt: es dauerte jahre...bis ich sie wieder sprechen will - die vergangenheit reicht direkt in die zukunft hinein, in diesem gedicht, der übergang ist kaum, oder vielleicht gar nicht die gegenwart; eine region des fremden erschließt sich hier dem leser, langsam, und beim lesen immer wieder die frage: das, ja, ist mir bekannt, woher? das hörenkönnen des flüsterns des unbekannten, während des anhaltens des atems, und das unbekannte beginnt, sinn zu generieren, blaue wiesen, glitzernde augen. ein gedicht, das nicht verstanden werden will, und das uns, wie die flicken eines orientalischen teppichs, aus abstand immer mehr und auch deutlich ein bild vermittelt, an das wir uns immer, bei jedem lesen, annähern können. dem verständnis entgegen schwimmen, im meer der gedanken. wir haben hier ein gedicht, das uns entdecken will, und wir, die lesenden, müssen dies zulassen.
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fremdseits
und wenn ich deine mir fremde Stimme höre, muss ich an das unbekümmerte denken, das mich verzaubert zurückließ ein Häschen nun in einer Stadt, die nicht mein zuhause war.
wie die blauen Wiesen die glitzernden Augen am Horizont weit draußen sprach ich eine Sprache nun, die keiner verstand und es dauerte Jahre der Herzstille bis ich sie wieder sprechen will
schwämme ich stumm wie ein Fisch im Meer ich trüge sie zwischen den Kiemen und ab und an käm mein Atem oben an wer seinen anhalten kann hörte meinen flüstern dann
die autorin: julia sander ist am 20.06.1982 in nordenham geboren. sie hat kulturwissenschaften und ästhetische kommunikation in hildesheim und european theatre arts in london studiert. während ihrer studienzeit hat sie ein drehbuch verfasst, das als kurzspielfilm realisiert wurde ("nicht_sein", regie: magdalena tuner). es gab mehrere performances, bei denen sie in london mitgewirkt hat. 2009 bekam sie für ihren roman "in der nacht erschießt er die sonne" das arbeitsstipendium des landes niedersachsen. zurzeit schreibt sie an ihrer dissertation, sucht einen verlag für ihr romanprojekt, und im sommer wird ein kleiner gedichtband von ihr erscheinen.
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