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Tina Stroheker Früh
Schau nicht in die Sonne hat man uns immer gesagt laß dich nicht blenden. Jetzt sind Stimmen im Haus Wörter, die keine werden. Ich bin früh aufgestanden ich habe Musik von damals gehört ich habe ein Glas zerbrochen. Zwischen mir und dem Kind das ich war, wird der Abstand nicht größer.
Aus: Tina Stroheker: Was vor Augen liegt, Gedichte, Klöpfer und Meyer Verlag, Tübingen 2008.
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Die Autorin
Tina Stroheker, geb. 1948 in Ulm, lebt in Eislingen/Fils. Studierte Germanistik, Geschichte und Politik in München, arbeitete zehn Jahre lang als Gymnasiallehrerin, seither als freie Autorin. Zahlreiche Auszeichnungen, u.a. Leonce und Lena-Förderpreis 1981, Stipendiatin der Villa Massimo Rom, 1986, Josef-Mühlberger-Preis 2003. Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller, in der Europäischen Autorenvereinigung Die KOGGE und im deutschen PEN.
Begründung:
Diese eigentümliche, leichte, und doch nicht loslassende Stimmung dieses Gedichtes umfängt mich, seit ich den Band aufgeschlagen und das Gedicht zum ersten Mal gelesen habe. Ähnliche eigene Erfahrungen mögen den Hintergrund bilden, dieses dauernde Gefühl, dass „zwischen mir und dem Kind/ das ich war …/ der Abstand nicht größer“ wird; diese dauernde Suche nach Wörtern, die nicht werden wollen; dieses sich in der Welt bewegen und das Gefühl haben, irgend etwas und damit alles nicht verstehen zu können, und dennoch Zufluchten im Wort zu suchen; Stimmen zu hören, Musik „von damals“, und zu wissen, dass man letztlich nichts „verstehen“ kann, allenfalls ahnen. Ein Gedicht, das Ahnung gibt, das nicht erklären will, sondern die ganze Schwere der Leichtigkeit vermittelt. Damit, mit Dichtung, langsam die Welt verstehen lernen. Wunderschön.
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