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Gedicht des Monats

Gedicht des Monats im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg:

zum Konzept unserer Rubrik "Gedicht des Monats

Gedicht des Monats | Juli 2009
SAID: "Ohne Überschrift"


Kulturtipps von Uli Rothfuss im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg_Buchtipp 219

SAID

"Ohne Überschrift"

die staatslärmungen hier
dort das wachende wort
hinter jedem strauch
ein gott
und auch er murrt
zikaden schließen die augen
und vergessen uns
nichts in ihrem lied verrät
daß sie bald sterben.

Der Autor

SAID wurde 1947 in Teheran geboren und kam 1965 als Student nach München. Hier verbanden sich seine literarischen Interessen mit einem politisch-demokratischen Engagement. Damit ist seine Rückkehr in den Iran ausgeschlossen. Nach dem Sturz des Schahs, 1979, betrat er zum ersten Mal wieder iranischen Boden, sah aber unter dem Regime der Mullahs keine Möglichkeit zu einem Neuanfang in seiner Heimat; seither lebt er wieder im deutschen Exil. Hier besitzt er nunmehr die deutsche Staatsangehörigkeit und schreibt Lyrik und Prosa in deutscher Sprache, die er als seine „Behausung“ begreift.

SAIDs Grundthemen sind vor allem Liebe und Exil. Für sein schriftstellerisches Werk, aber auch für sein Engagement für politisch Verfolgte, wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Literaturpreis der Stadt München, dem Adelbert von Chamisso-Preis und der Goethe-Medaille. Von 1995 bis 1996 war er Vizepräsident, von 2000 bis 2002 Präsident des P.E.N.-Zentrums Deutschland, dessen Beauftragter für das "Writers in Prison Committee" er von 1995 bis 1996 war.

Begründung:

Dies ein Gedicht voller Bitterkeit, die Hoffnung nur noch angedeutet, wenn überhaupt, als „... das wachende wort“, und die Zikaden, die ihr Lied zirpen, trotz des sicheren Sterbens, und mit ihm, mit dem Zirpen, stirbt auch ihr Lied und das Wort. SAID hat ein Gedicht geschrieben, Mitte Juni, als die ersten Erhebungen vornehmlich junger Menschen im Iran niedergeknüppelt wurden, und unsere westlichen Regierungen sich - „die staatslärmungen hier“ - in an Vorsicht bei der Wortwahl kaum zu überbietender Manier kaum mehr selbst erkennen mochten. Es ist ein sehr bedeutungsvolles, und gerade in dieser Bescheidenheit überdeutliches Gedicht; ein Gedicht der Klage, ein Trauerruf des Exilierten, eine Anklage, die Fortsetzung des Verlusts der Heimat in die Sprache hinein; ein Gedicht, dem selbst die Überschrift verloren geht.

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