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Wilhelm Gössmann: Soviel Schwalbengezwitscher soviel Lindenduft vor dem Tor die Hände voll Blumen das Gedächtnis voll Kindheit hier wohnte und wartet der Reichtum einer Landschaft
Der Autor
Wilhelm Gössmann, geb. 1926 in dem westfälischen Dorf Langenstraße bei Rüthen; Literaturwissenschaftler und Autor, 1955-1960 Lehrtätigkeit in Japan, zuletzt Professor für deutsche Literatur an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; 10 Jahre Vorsitzender der Heinrich-Heine-Gesellschaft, Gründer der „Initiative. Verein zur Förderung der Kultur auf dem Lande“; Veröffentlichungen über moderne Dichtung, kulturchristliche Themen und das Blumenstecken; lebt in Düsseldorf und Langenstraße.
Begründung:
Die Gedichte Wilhelm Gössmanns haben ihr ganz eigenes Leben; sie verharren in jener seltsam freimachenden Schwebe, sie ziehen den Leser tief ins Erdhafte und lassen ihn gleichzeitig hinter die Horizonte blicken, zurück und nach vorn.
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Als ich beim Blättern in seinem neuesten Buch auf dieses Gedicht stieß, hatte ich augenblicklich die eigene Kindheit vor Augen, jenen ganz tief in meiner Erinnerung vergrabenen, ganz besonderen Augenblick, ich stehe hinter dem Haus meiner Großeltern, im Hof hinter dem Bauernhaus, die Sonne steht hoch, heiße Luft flirrt, gerade August vielleicht, ein paar Fliegen vom Stall her, nicht weit von der Linde, die Großvater gepflanzt hat, als er das Haus baute und die jetzt mächtig steht, sehe die Schwalben durch das kleine Loch oben im Scheunentor ein- und ausfliegen, und ich habe jetzt wieder diesen Duft von frischem Heu in der Nase, wie damals, und der Großvater sitzt auf seinem Stein und dengelt wortlos die Sense, auch Großmutter ist da, ruft das Kind herein, in die Küche …
„der Reichtum/ einer Landschaft“ - fällt mir in den Kopf, bei diesen Zeilen, der Reichtum der Landschaft meiner Kindheit, so wie es der Reichtum der Landschaft Wilhelm Gössmanns war, als er sein Gedicht schrieb; ich denke an das Hinausfahren mit dem Großvater, auf sein Land, und wie er mir die Liebe zu dieser Landschaft beigebracht hat, mit jedem Baum, über dessen Rinde er sanft mit seiner rauhen Hand strich. Er war nicht ein Mann von vielen Worten. Aber es ist vieles geblieben. Ja, es bleibt, „das Gedächtnis/ voll Kindheit“.
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