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Gedicht des Monats

Gedicht des Monats im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg:

zum Konzept unserer Rubrik "Gedicht des Monats

Gedicht des Monats | April 2010

Malgorzata Ploszewska"Dort"


Kulturtipps von Uli Rothfuss im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg_Charlotte Ueckert

Malgorzata Ploszewska
© Foto: privat

Die Autorin: Malgorzata Ploszewska
Grundschullehrerin, Theaterpädagogin, Kulturschaffende, Dichterin, Journalistin, Dolmetscherin der polnischen Gebärdensprache, Literatur–Übersetzerin (deutsch-polnisch-deutsch), Industriekauffrau, wurde 1956 in Plock, Polen, geboren und lebt seit 1985 in Reutlingen. Sie schreibt auf deutsch und polnisch und ist Mitglied im polnischen Schriftstellerverband (Zwiazek Literatów Polskich) im Verband deutscher Schriftsteller (ver.di) und in der Europäischen Autorenvereinigung „Die Kogge“, Minden. Sie schreibt Lyrik, Essays und Reportagen sowie übersetzt aus dem Polnischen und ins Polnische. Ihre Texte erscheinen in beiden Ländern.

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Dort

Mein Zuhause ist dort
wo meine Augen matt werden
von Zärtlichkeit
mein Gehör begreift
das Vogelflüstern
meine Lippen trinken
die Hitze der kalten Nacht
leer

bis
meine Spur im Sand
das Echo meiner Worte in deinen Augen
übrig bleibt

mein Zuhause
meine Gedanken
zwiespältig arglistig

Begründung:

Die uralte Frage nach Heimat, nach dem Ort, an dem man sich zuhause fühlt. Dort, wo meine Augen matt werden, wo ich meine Augen matt werden lassen kann, ungeniert hinübergleiten kann in den Schlaf, ohne dass ich Vorsicht walten lassen muss. Der Ort, wo die Augen von Zärtlichkeit matt werden, und wo die Zärtlichkeit aus sich heraus geschützt ist. Kalte Nacht, und doch Hitze an diesem Ort, die Hitze nicht nur trinken, sondern sie leeren, in sich hinein saugen. Der Ort, an den unsere Gedanken „hingehören“, wo wir aufgehoben sind, in den wir hineinfallen können. Die Dichterin aber behält Skepsis, es ist da ein Zwiespalt, es schleicht etwas arglistig herum, das dieses Zuhause, dieses letzte Aufgehobensein am einzigen Ort, die Ruhe ganz fern verräterisch erscheinen lässt … ein Gefühl, dem Leben geschuldet. Und einfühlsam in Worte gekleidet das, was wir alle so empfinden können, in ganz ruhigen Momenten, zuhause.

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