| Kunstgeschichtsbücher gibt es viele, wunderbar aufbereitete, mit vielen illustrierten Beispielen. Dieser neue Band geht durchaus auch diesen Weg: eine Kunstgeschichte über fünf Jahrtausende hinweg, von den „frühen Manifestationen“ in Ägypten und im Vorderen Orient bis zu zeitgenössischen Äußerungen der Kunst im 19. und 20. Jahrhundert, die als „Zeit der Einsamkeit“ klassifiziert wird.
Jacques Thuillier ist ein Fachmann seines Gebietes: Professor an der Universität Dijon, an der berühmten Sorbonne in Paris und am Collège de France, er gilt als einer der legendären Lehrer der Kunstgeschichte. Viele Bücher haben ihn berühmt gemacht, mit vielen Ausstellungen, die von ihm kuratiert wurden, ist er an die Öffentlichkeit getreten.
Was macht sein Buch so spannend, was hebt es heraus aus der Masse der Kunstgeschichtsführer? Thuillier gibt uns einen Halt, er führt uns durch das Labyrinth der Namen und Werke, der Stile und Epochen, er lässt uns Zusammenhänge erkennen und misst jedem Kunstwerk seine eigene Bedeutung zu. Dazu stellt er historische Verknüpfungen heraus, er erzählt nicht akademisch-trocken, sondern fesselt seine Leser mit spannendem Stil – ein Buch mit an sich historisch-wissenschaftlichem Thema wird so zur faszinierenden Lektüre. Der Autor Thuillier selbst zu seinem Buch: „Unser Anliegen war es, den Kunstbegriff von den angestaubten Abstraktionen vergangener Jahrhunderte zu befreien und die Werke selbst sprechen zu lasse, also auch nach unserer Intuition als Betrachter zu fragen. Die Grenzen eines solchen Vorhabens waren uns stets bewusst. Aber wir wären glücklich, den Leser zumindest ansatzweise dazu angeregt zu haben, wieder sehen zu lernen.“
Die Übersetzungen in die deutsche Sprache sind durchweg bestechend. Abbildungen von hervorragender Qualität lassen das Buch auch zu einem Abenteuer des Sehens und Entdeckens werden. Ausführliche Abbildungsverzeichnisse und ein Personen- und Ortsregister runden das opulente Werk ab.
Jacques Thuillier: Geschichte der Kunst. Architektur – Skulptur – Malerei. Geb., 640 S., Editions Flammarion (in Deutschland lieferbar), Paris 2003. 50 Euro.
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