| Eine versunkene Welt in das Leben zurückgeholt, frühe Bilder, die eine Nachricht aus der jüngsten Vorgeschichte konservieren. Die Bilder dieses opulenten Bandes sind uns merkwürdig gegenwärtig und doch aus einer anderen Zeit herübergeholt, aus anderen Kulturen, die es so heute gar nicht mehr gibt.
Bilder aus den Anfängen der Fotografie, Landschaften, Detailaufnahmen, immer wieder Menschen. Bilder der berühmten Sammlung Herzog – und allein in eine Sammlung aufgenommen zu werden, hebt diese hervor aus dem „rasenden Nacheinander der Photographien“, wie Dieter Bachmann in seinem espritgeladenen Vorwort schreibt: eine „Art ereignislose Photographie“, Bilder, „vom Leben gereinigt, still und leer“. Diese bringen zurück zum Wesentlichen. Sie zeigen uns einen Teil von uns selbst, von unserem Blick auf die Welt, auf die Vergangenheit, auf den Menschen damals und heute; die Bilder belehren nicht, sie lehren den Blick auf die Welt, sie geben ein wenig von dem Abenteuer der Entdeckung der Welt an uns, die Betrachter weiter. Photographie als Mittel zur Kontrolle, antwortet Peter Herzog im Interview, als Wunsch, die Welt in allen Facetten zu begreifen. Ein Buch, das spannend wie ein Roman durchwandert werden kann; ein Buch, das zum Überfliegen anregt, um sich festzulesen – in den gehaltvollen Textbeiträgen, in einen Prozess, in dem es „auszuhalten“ gilt: ein Lernprozess, auszuhalten, wie der Sammler Herzog schreibt. Eines der umfassendsten, eines der herausragenden Bücher der letzten Jahre.
Dieter Bachmann (Hrsg.): Der Körper der Photographie. Geb., 280 S., 320 Fotografien, Limmat Verlag, Zürich 2005, 44 €
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