| Kulturtipps von Uli Rothfuss in der Virtuellen Kulturregion
“Dem Chaos die Stirn bieten“ – Hermann Hesses „Der Steppenwolf“
Der Band zum 12. Internationalen Hermann-Hesse-Kolloquium ist erschienen.Seit 1977, dem Jahr des 100. Geburtstages von Hermann Hesse, finden in dessen Geburtsstadt die Internationalen Hermann-Hesse-Kolloquien statt, bei denen sich Fachleute eines bestimmten Aspekts im Werk des Literaturnobelpreisträgers annehmen. Im Jahr 2004 kamen Gelehrte aus Deutschland und Korea, aus der Schweiz, den USA, aus Ungarn und Litauen, um in Vorträgen über Hermann Hesses wohl bekanntesten Roman “Der Steppenwolf“ zu sprechen. Über 300 Zuhörer aus ganz Europa waren nach Calw gekommen, um durch die Vorträge eine Annäherung an den Roman Hermann Hesses zu finden.
Jetzt ist die Dokumentation des 12. Internationalen Hermann-Hesse-Kolloquiums erschienen, als 170-Seiten-Buch im Staatsanzeiger-Verlag Stuttgart. Herausgegeben wurde der Band von Michael Limberg, der auch die Tagungsleitung des Kolloquiums inne hatte.
Hermann Hesses „Steppenwolf“ – von den einen als schonungsloses Bekenntnis anerkannt, von Kirchenkreisen als „giftige, gefährliche Wirrnis, giftig in seiner ungezügelten Sinnlichkeit, gefährlich in seiner radikalen und ätzenden Verneinung aller Lebenswerte“ abgetan – zieht seit Erscheinen im Jahr 1927 vielfältiges Interesse auf sich. In den USA erlangte das Werk in den frühen 70er Jahren geradezu kultische Verehrung – das Interesse an Hesse Roman besteht ungemindert bis heute.
Während des zweitägigen Kolloquiums in Calw befaßten sich Wissenschaftler mit der Entstehungsgeschichte und der Rezeption des „Steppenwolf“ und untersuchten einzelne Aspekte, sodaß literarische, philosophische, kulturhistorische und gesellschaftspolitische Dimensionen des Werkes angesprochen werden. Arnold Stadler, Büchner-Preisträger des Jahres 1999, hielt in der Tradition prominenter Schriftsteller bei den Hesse-Kolloquien den Auftaktvortrag über „Hesse, Der Steppenwolf und ich, wir drei“. Dabei geht er auf die Wechselbeziehungen zwischen Hesse, Hesses Werk und ihm selbst als Mensch und als Schriftsteller ein. Rudolf Probst, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Schweizerischen Literaturarchiv, untersucht in seinem Beitrag die Transformationen von Hesses „Steppenwolf“ – von der Handschrift zum Typoskript, und Peter Huber, wissenschaftlicher Assistent und Lehrbeauftragter an der Universität Heidelberg, stellt Bezüge zwischen den Krisis-Gedichten und dem Roman her; Rudolf Koester, Germanistik-Professor an der University of Nevada, Las Vegas, stellt eine Untersuchung über das Urteil der Zeitgenossen Hesses und der Folgezeit über den „Steppenwolf“ vor, und die Oberassistentin Enikö Risko von der Gesamthochschule Nyiregihaza in Ungarn arbeitet über das Außenseitertum im dem Roman. Friedhelm Brusniak, Professor für Musikwissenschaft an der Universität Würzburg, bietet einen Beitrag über Hesse und Mozart und Irmgard Yu-Gundert, Germanistikprofessorin in Korea, geht auf Hesses Stufenlehre im Steppenwolf ein. Ralph Freedman, Hesse-Biograf und weltweit bekannter Germanistik-Professor von der Princeton-University sieht den „Steppenwolf“ als „Gedicht von einer symbolischen Stadt“. Raminta Gamziukaite-Maziuliene, Professorin für deutsche Literatur an der Universität Vilnius, stellt die Hesse-Rezeption in den baltischen Ländern Estland, Lettland und Litauen vor.
Eine von Michael Limberg zusammengestellte Auswahlbibliographie über Hesses „Steppenwolf“ von 1973 bis 2004 rundet den Band ab.
Michael Limberg (Hrsg.): „Dem Chaos die Stirn bieten“. Hermann Hesses Der Steppenwolf. 170 S., kart., Staatsanzeiger-Verlag, Stuttgart 2005, 10,50 Euro, zu beziehen über Buchhandlungen oder über www.shop-staatsanzeiger.de
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