| "Die Prinzessin auf der Erbse", "Däumelinchen", "Des Kaisers neue Kleider", "Die kleine Meerjungfrau", "Der fliegende Koffer" – wer kennt diese Märchen nicht, wer hat sie nicht noch von der Kindheit her im Kopf, wer hat sie nicht den eigenen Kindern oder Enkelkindern vorgelesen?
Am zweiten April jährt sich der Geburtstag des dänischen Märchendichters Hans Christian Andersen zum 200. Mal – zuerst hatte er Gedichte, Theaterstücke, Reiseerzählungen, einen erfolgreichen Roman für Erwachsene geschrieben, 1835 schließlich kam sein erstes Märchenbuch in den Handel. Und begeisterte sofort das Publikum, vor allem die Kinder.
Was machte und macht ihren besonderen Reiz aus? Diesen Märchen fehlte zum ersten Mal in der Märchengeschichte eine zwingende Moral, sie sind locker erzählt, in ihnen sprechen auch Gegenstände. In jedem Gegenstand sieht Andersen einen Charakter. Bis heute inspiriert er Märchendichter, seine Texte wirkten in die Weltliteratur bis hin zu zeitgenössischen Dichtern, seine Märchen haben weder ihre Wirkung noch die ihnen inne wohnende Faszination, bis heute nicht, verloren.
Viel übersetzt wurden H.C. Andersens Märchen, auch ins Deutsche: eine der hervorragendsten ist die von Thyra Dohrenburg aus dem Jahr 1959. Sie versteht es, die sprachlichen Besonderheiten, die stilistischen Sprünge aus dem Original in die deutsche Sprache herüberzubringen. Der Sauerländer Verlag hat aus diesen Übersetzungen ein aufwendig gearbeitetes, großformatiges und von Joel Stewart mit Sensibilität illustriertes Buch gemacht – in dem es auch Spaß macht, zu blättern, sich immer wieder festzulesen und sich in die Bilder zu vertiefen.
Wer Andersen als Hörerlebnis erfahren möchte – oder einfach eine Autofahrt nutzen will, um wieder in die wundersame Geschichtenwelt des H.C. Andersen einzutauchen, dem seien die Hör-CDs der Hörcompany empfohlen. Drei der hervorragendsten zeitgenössischen Sprecher – Fritzi Haberlandt, Christiane Paul und Devid Striesow – lesen die bekannten Andersen-Märchen – je mit der eigenen Interpretationskraft. Musikalisch illustriert sind die Geschichten von Wolfgang v. Henko, am Fagott spielt Henning Stoll. Die Gesamtlaufzeit von über vier Stunden auf drei CDs verspricht Hörvergnügen pur!
Das Buch „Hans Christian Andersen – Märchen“, ebenfalls eine Prachtausgabe zum Jubiläum, zu dem die CD erschienen ist, wurde im Beltz und Gelberg Verlag veröffentlicht – in herausragender Qualität und mit eindrucksvollen Illustrationen von Nikolaus Heidelbach; ein Großprojekt des Verlages und des mit den Illustrationen beauftragten Heidelbach. Die Übersetzung von Albrecht Leonhardt wird dem Andersenschen Duktus in gleicher Weise gerecht, und ein Vergleich zwischen den beiden Übersetzungen lohnt: beide je in der ihnen eigenen Art bringen Andersen anschaulich ins Deutsche.
Fazit: Wunderschöne Bücher, die genau das zeigen, was H.C. Andersen sein Leben lang als Maxime wählte: „Aus dem Wirklichen erwächst gerade das erstaunlichste Märchen.“
H.C. Andersen: Das große Märchenbuch. Illustriert von Joel Stewart. Geb., 208 S., Sauerländer Verlag, Düsseldorf 2004, 19,90 Euro bei amazon.de bestellen
H.C. Andersen: Märchen. Bilder von Nikolaus Heidelbach. Geb., 376 S., Verlag Beltz und Gelberg, Weinheim 2004, 38 Euro bei amazon.de bestellen
H.C. Andersen: Märchen. 3 CDs, Hörcompany, Hamburg 2004, 19,90 Euro bei amazon.de bestellen
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