| Der Autor H.C. Buch ist mit diesem Buch einen interessanten Weg gegangen: Die Sammlung von Daten und Fakten, die Erzählung von Geschehenem gibt den Texten dokumentarischen Charakter; andererseits geben dem Buch die fiktiven Elemente die Gestalt des romanhaften. Die Information des Lesers durch das Geschriebene, das Nachdenken über das, was auf Haiti geschieht an Gewalt- und Haßausbrüchen, macht die Texte zu Essays. Von jeder literarischen Gattung bringt Buch gerade so viel in seine Texte, wie es unerläßlich ist, um eine Texteinheit zu schaffen, die den Leser anspricht, informiert, literarisch führt und verführt.
Lange Zeit regierte und in manchen Bereichen immer noch regiert auf Haiti der Haß, die Gewalt. H.C. Buch hat immer wieder dort gelebt, er versteht es, durch konkrete Beispiele, Lebensläufe und Familienzusammenhänge die Strukturen der Gewalt herauszuarbeiten und vor dem Leser so hinzustellen, daß, und diese Gefahr besteht natürlich ständig, dieser nicht abgestoßen, erschreckt wird, sondern – das ist die literarische Qualität des Buches – daß eine Begierde auf das Weiterlesen, auf das –entdecken der Geschehnisse, auf das Erleben einer dem Thema angepaßten Sprache entsteht. H.C. Buch ästhetisiert dabei nicht die Gewalt oder deren Auswirkungen, er benennt diese offen, schonungslos. Das Geheimnis seiner Arbeit liegt darin, eigene Erfahrungen und sein literarisches Können zu nutzen, um beispielhaft Geschichten vorzulegen, die die gesamte Struktur und den Mechanismus der Gewaltspirale auf Haiti herausarbeiten. Das ist ihm imposant und interessant gelungen.
H.C. Buch: Tanzende Schatten oder Der Zombie bin ich, Romanessay, mit Fotos, geb., 326 S., Eichborn Verlag, Frankfurt a.M. 2004, 27,50 Euro
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