| Er muß wach und stark bleiben, um zu überleben, Tag für Tag: Rashid aus Hamburg, der nach dem Afghanistan-Krieg nach Indien reist, um eine Erbschaft seiner Großmutter anzutreten und weiterfährt nach Pakistan, wo er an einer anti-amerikanischen Demonstration teilnimmt. Festgenommen, in den Laderaum eines Flugzeuges geworfen, findet er sich in Guantanamo wieder, dem kubanischen Stützpunkt der USA: schuldig gesprochen ohne Anklage und Verteidigung.
Dorothea Dieckmann hat für dieses Buch minutiös recherchiert, sie ist Geschichten von Guantanamo nachgegangen: „Guantanamo ist eine Erfindung. Es ist eine der vielen unbetretbaren Regionen dieser Welt“, schreibt sie im Vorwort.
Rashid durchlebt die ganze Bandbreite der Angst- und Resignationsgefühle, er identifiziert sich mit seinen moslemischen Mitgefangenen. Er weiß nur, daß er wach bleiben muß und stark, um zu überleben.
Der Text entwickelt, je mehr man sich in ihn vertieft, eine geradezu magnetische Anziehung, der Leser steht mitten in den Geschehnissen, er verspürt die gleiche Ohnmacht, die gleiche Wut, die gleiche Angst wie die Gefangenen. “Das einzige, was wir sicher wissen, ist, daß dies böse Menschen sind“, sagt der amerikanische Präsident George W. Bush. Dorothea Dieckmann ist es gelungen, aus wahren Geschichten eine realistische nachzuzeichnen, dem eine seltene, imaginative Kraft eigen ist; im Detail recherchiert und großartig erzählt.
Dorothea Dieckmann: Guantanamo. Roman, geb., 160 S., Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2004, 16 Euro.
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