| Beim Lesen überlegte ich mir tatsächlich, ob sich der Autor dies alles erdacht hat oder ob er den Spuren einer tatsächlichen Person nachgefolgt ist in seiner Novelle; hob mir aber die Recherche auf, denn Walter Grond hat im Text angemerkt, dass von dieser Djavidan Hanum in den Dreißiger Jahren ein Buch erschienen sei, und ich konnte nicht loslassen von dem Text, so wurde ich mitgerissen.
Und tatsächlich, es gibt dieses Buch, geschrieben von Prinzessin Djavidan Hanum: Erinnerungen der Gemahlin des früheren Khediven von Ägypten, antiquarisch noch lieferbar.
Walter Grond hat ein erzählerisch eigenwillig, interessant gebautes Buch geschrieben, und er hat sich also an der Biographie dieser Frau entlang erzählt, die den Namen, den sie als Frau im Harem des Khediven erhalten hat, beibehalten hat, auch nachdem sie längst von ihm geschieden war und der Khedive im Exil in der Schweiz lebte. Dieser ist auch einer der drei Männer, von denen das Buch erzählt – Walter Grond wurde durch Robert Musils „Drei Frauen“ zu diesem Buch inspiriert -, die anderen beiden sind nicht weniger farbig geschildert: der Romancier, der von der Erscheinung dieser Frau fasziniert ist und sich ihr doch nicht zu nähern wagt, und Philipp, der sich der alternden Djavidan nähert als jüngerer Mann, ebenso fasziniert von ihr, der sie bis in den Tod begleitet.
Der Autor Walter Grond umkreist durch die Annäherung über drei wichtige Männer im Leben der Djavidan diese Person in ihren schillernden Facetten, in ihrer – auch für die Zeit, in der sie lebte – Eigenwilligkeit, und er schafft es, ein Bild von dieser außergewöhnlich vielseitigen und ihr Leben immer wieder neu konstruierenden Frau zu schaffen. Temporeich erzählt, aber immer so, dass der Leser mitkommt, mitgezogen wird, hinein in eine Geschichte, bleibt der Leser bis zum Schluss der Novelle gefesselt. Literatur von ihrer besten Art, sehr lesenswert!
Walter Grond: Drei Männer. Novelle. Geb., 112 S., Haymon Verlag, Innsbruck 2004, 15,90 Euro.
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