| Es gab im ausgehenden 18. Jahrhundert ganz außergewöhnliche Räuberfiguren – der Räuberhauptmann Hannikel mag ein Beispiel sein oder das legendäre „Sonnenwirtle“, gar von Friedrich Schiller zum literarischen Denkmal gemacht -, und die meisten von ihnen hatten ihr Hauptaktionsfeld im Schwäbischen Kreis gefunden: kaum irgendwo war die Kleinstaaterei so ausgeprägt, dass nach wenigen Kilometern „Ausland“ und damit andere Hoheiten erreicht waren, kaum irgendwo war die Landschaft so unzugänglich wie im Schwarzwald oder im Welzheimer Wald.
Eine der sicher interessantesten Räuberfiguren war der legendäre Konstanzer Hans, mit bürgerlichem Namen Johann Baptista Herrenberger. Über viele Jahre hinweg versetzte er die Leute im Schwäbischen in Angst und Schrecken, und dennoch kann er als Räuber mit Prinzipien verstanden werden: Gewalt war nicht unbedingt seine Sache, ja, nie hat er einen Menschen umgebracht. Seine Raubzüge vollzog er meistens gegen „Juden und Pfaffen“, und er schien sieben Leben zu haben – immer wieder büchste er aus, nachdem die Obrigkeit ihm habhaft hatte werden können.
Bis der ebenso legendäre Räuberfänger, Oberamtmann Schäffer aus Sulz, ihn in seine Hände bekam. Schäffer gelang es, Hans weit zu bringen, bis zu einem zweifachen Verrat: zunächst lieferte er seine Raubkumpane ans Messer, dann schrieb er gar noch einen Führer für die Sprache des fahrenden Volkes, für die Jauner- und Jenischensprache, anhand derer die Obrigkeit endlich Zugang zum Jauner- und Vagantentum erhalten konnte.
Wolfgang Duffner schrieb ein spannendes Buch über das Schicksal des Konstanzer Hans, über seine Zeit im Sulzer Gefängnis und seine Wandlung, die ihm den Galgen ersparte. In einer eindringlichen Sprache gelingt es Duffner, sich als Leser mit dem Konstanzer Hans identifizieren zu lassen, sich ganz in ihn und in die Zeit vor über 200 Jahren hinein zu begeben und mitzuleben. Ein Buch, das über die andere Seite regionaler Geschichte belehrt und das spannend zu lesen ist.
Wolfgang Duffner: Mehr geneigt ins Nichts. Aus dem kurzen Leben des Johann Baptista Herrenberger alias Konstanzer Hans. Geb., 148 S., Bleicher Verlag, Gerlingen 1999.
zurück zur Übersicht bitte | |