| Tübingen als Mittelpunkt der Welt - davon überzeugt uns Kay Borowsky in seinem Buch mühelos; in kurzen, klugen, manchmal verschmitzten Texten weist er uns auf das am Weg Liegende, das „Harmlose“ hin, er „teilt mit“ und lässt uns dadurch teilhaben an seinen Entdeckungen. Und deren gibt es viele in diesem wunderbaren Buch: allein der herrliche Text „Bruch des Schweigens“ lohnt, dieses Buch zu kaufen, die Mahnung, ungewohnte Blicke zu wagen, zu entdecken – und dann mitzuteilen, um andere teilhaben zu lassen.
Kay Borowski erklärt seine Liebe immer wieder und in allen Variationen seinem „Weltstädtchen“ Tübingen, aber geht auch raus und entdeckt: die Alb, das Neckartal, den Schwarzwald, Oberschwaben und den Bodensee, Ostwürttemberg und Hohenlohe-Franken. Beispiel: Mit dem Amerikaner und dem Holländer-Michel in Urnagold, wo Hauffs „Kaltes Herz“ seinen Anfang nahm. Anderes Beispiel: „Nahes Gold? Wilder Berg? Kalb?“ legt er uns dar, er erzählt von „rund um die Ulme“ in Hirsau – nur um beim Schwarzwald zu bleiben.
Streifzüge durch Stadt und Land hat Kay Borowsky unternommen, und er bereitet mit diesem Buch nicht nur intellektuelles, sprachliches Vergnügen, sondern macht Lust, seinen Spuren zu folgen, ganz nach dem Motto: das Feine, das zum Staunen Verführende, liegt oft ganz nah. Man muss nur die Augen aufmachen!
Kay Borowsky: In Tübingen und drum herum, 208 S., kart., Attempto Verlag, Tübingen 2003, 16,90 Euro.
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