| Eine literarische Flußreise von der Quelle bis Budapest hat sich Autor Bernhard Setzwein vorgenommen, und sein Buch „Die Donau“ ist mehr geworden als bloß diesem Ansinnen gerecht zu werden: Es ist eine geschichtliche, eine literarische, eine landschaftliche, eine architektonische, eine ganz persönliche Erkundung : 1.200 Kilometer in den Osten führt die Reise, führt vom Ursprung bei Donaueschingen über Ulm, Regensburg und Passau nach Österreich durch Linz, Krems und Wien -, weiter in die Slowakei durch Bratislava und überquert bei Esztergom die Grenze nach Ungarn, bis sie „als ein Triumph in die Stadt“ eindringt, in Budapest: Höhepunkt dieser Reise.
Der Autor macht nur scheinbar die Donau zum Mittelpunkt seines Buches: das eigentliche Thema ist die Auseinandersetzung mit dem kulturellen Miteinander in Mitteleuropa. Zu Hilfe kommt ihm natürlich sein Können als Romancier, die sprachliche Vielfalt, die ihm zur Verfügung steht. Und seine intimen Kenntnisse der Autoren, die sich mit der Donau befasst haben: Esterházy, Doderer oder Attila József, von Brecht bis Heidegger umspannt er beinahe diesen gesamten Bogen europäischer Geistesvielfalt und entfacht eine Diskussion, die nur auf einer Ebene mit dem Donau-Thema zu tun hat, auf einer anderen aber eine Einführung, eine Diskussion in das europäische Denken schlechthin bietet – und das macht dieses Buch so interessant. Freilich ist es von Nutzen und behilflich, viele, auch kleine Details über den Fluß und seine literarischen Auswirkungen über die Zeiten hinweg zu erfahren. Interessant ist es aber besonders, zu erkennen, dass über Landschaften und Grenzen hinweg europäische Geistestraditionen gepflegt wurden und werden, denen dieser Fluß eben Zusammenhalt bietet.
Einige wenige illustrierende Fotos lassen den Leser verweilen, laden ein, kulturelle Denkmäler entlang der Donau zu betrachten. Viele eingestreute literarische Zeugnisse sind beredtes Zeugnis der Faszination, die der Fluß seit Menschengedenken auf die Menschen und auf die geistig Schaffenden ausübt. Bernhard Setzwein ist der Spagat gelungen: einen Fluß vorzustellen und zugleich die Lust an der mitteleuropäischen Kultur, für die Grenzen auch bereicherndes sein können, zu wecken.
Bernhard Setzwein: Die Donau. Eine literarische Flußreise von der Quelle bis Budapest. Geb., 225 S., Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2004, 19,- €
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