| Klaus Kordon ist heute einer der bekanntesten Jugendbuchautoren, und er wagt sich immer wieder an große, manchmal auch unpopuläre Stoffe. Diese bereitet er aber dann so spannend, packend erzählt, auf, dass diese Bücher dann eine richtige Sogwirkung entwickeln und den Leser gewissermaßen "in die Geschichte hinein ziehen".
So "Krokodil im Nacken", die Geschichte um eine Familie, die in der DDR - nach mißglücktem Fluchtversuch über Bulgarien, von wo es weiter in die Türkei und dann nach Westdeutschland gehen sollte - in die Maschinerie der Stasi gerät, verhaftet, monatelang in Unwissenheit gehalten, die Kinder in ein Heim gesteckt, die Eltern getrennt in Haft. Das ist heute schon Zeitgeschichte - obwohl nicht lange her, kaum 15 Jahre, dass es solche Schicksale zuhauf gab.
Klaus Kordon versteht es, den Leser mitzunehmen und so diese Zeit, dieses menschenverachtende Umgehen mit Schicksalen, wieder lebendig werden zu lassen. Dieses Buch ist ein Stück bester Geschichtsunterricht - nie mit dem belehrenden Zeigefinger, wie böse diese Zeit doch war, sondern immer dem Leser oder, beim Hörbuch, dem Hörer, Raum lassend, eigene Ansichten, eigene Wut, zu entwickeln.
Sicher ist dies ein Buch, das nicht nur geeignet ist, ein Stück deutscher Geschichte wachzuhalten, sondern es ist brilliant erzählte Literatur, die ganz sicher nicht nur für Jugendliche, sondern genauso für Erwachsene geeignet ist.
Klaus Kordon: Krokodil im Nacken,796 S., geb., Beltz Verlag, Weinheim, 4. Aufl. 2oo3, 19,90 EUR
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