| Der persische Autor Kader Abdolah lebt im Exil in Holland. Jetzt hat er anhand einer Geschichte um Agha Akbar, den Teppichflicker in einem persischen Bergdorf, eine Geschichte Persiens geschrieben – die einerseits uns fern scheint, andererseits aber nah ist, weil immer wieder Innenansichten erlaubt werden.
Akbars Sohn Esmail hat ein schier unlesbares Manuskript seines Vaters mit ins Exil genommen – ein Manuskript, das der taubstumme Akbar in jener bis heute nicht entzifferbaren Keilschrift in der Höhle unweit des Bergdorfes verfasst hat. Und Esmail macht sich daran, die Schrift zu deuten, ihr Bedeutung zu geben, sie in Zusammenhang zu stellen und so die eigene Geschichte zu finden. Und er entgeht mit dieser Beschäftigung der Bedrohung durch den Verlust der eigenen Identität im fremden Land – die Beschäftigung mit dem eigenen Dorf, mit den Menschen, mit den Landschaften, bietet ihm Halt und Aufhängung in einem Netzwerk, das zu tragen fähig ist. Hierzu spielt der Autor alle ihm zur Verfügung stehenden Nuancen erzählerischen Könnens aus: er verwebt märchenhafte Motive mit realistischen Darstellungen, er schlägt die Brücke von Persien nach Westeuropa – als Mensch und letztlich Intellektueller, der seiner Herkunft alles zu verdanken hat. Konsequent ist es darum auch, dass der Flüchtling und Intellektuelle Abdolah orientalische Erzähltradition geschickt mit westlichen Elementen mischt und so einen Roman schafft, der spannend ist, der, mystisch, fesselt, und zugleich geprägt ist von einer Leichtigkeit, die das Hin- und Herfliegen zwischen Europa und Orient zum Abenteuer macht. Dass Abdolah politische Bezüge nicht ausspart und seine Hauptfigur in deren Zusammenhang stellt, macht das Buch dazu noch zum für die iranischen Machthaber sicher intellektuellen Sprengstoff. Kader Abdolah: Die geheime Schrift. Notizen des Agha Akbar. Roman. Geb., 368 S., Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2003, € 22,50.
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