| Ansgar und Ulrike Walk sind bekannt für ihre wundervollen Fotos, die uns mitten in die arktische Welt hineinstellen. Auf meinem Schreibtisch zuhause steht eine seiner nicht zu übertreffenden Portrait-Aufnahmen eines Eisbären im Nordmeer – ich wähle bewusst den Begriff "Portrait", denn Ansgar Walk geht es genau darum: dieses Individuum vor uns hinzustellen, ganz selbstverständlich einerseits, andererseits aber uns, die Betrachter in der warmen Wohn- oder Studierstube, teilhaben zu lassen an der Wildnis, an der Faszination, die diese kaum berührte Natur auf uns ausüben kann.
Genau so bei diesem exzellent gearbeiteten, mit einer Vielzahl von Fotos versehenen Buch. Ansgar Walk stellt uns die Lebensgeschichte einer der bedeutenden Inuit-Künstlerinnen, Kenojuak, vor – und es wird auf jeder Seite des Buches deutlich, dass er nicht nur das Werk dieser Ausnahmeerscheinung in der modernen Kunst nahe bringen möchte, sondern den Betrachter und Leser des Buches teilhaben lassen möchte an einer Freundschaft zwischen Künstlerin und portraitierenden Biografen. Klar gegliedert geht die Lebensgeschichte den Lebenslinien Kenojuaks nach, privaten Ereignissen (des Vaters gewaltsamer Tod, Johnniebos Brautwerbung und Kenojuaks anfängliches Widerstreben, junge Mutter) ebenso wie künstlerischen Stationen. Herrlich das mit "Etwas Schönes gestalten" überschriebene Kapitel mit der persönlichen Auswahl aus Kenojuaks Werken. Frühe Radierungen, Steinschnitte, Litographien – alle mit Motiven aus der Lebensumwelt der Inuit-Künstlerin, die durch die Klarheit ihrer Formgebung bestechen, Skulpturen – was diese Frau leistet, im Leben und in der Kunst, ist groß. Viel geehrt, 1967 mit dem Order of Canada, 1974 mit der Aufnahme in die Royal Canadian Academy of Arts, viele Preise sollten noch folgen bis zur Aufnahme in Canada`s Walk of Fame in Toronto im Jahr 2002, ist Kenojuak heute eine der Welt-Künstlerinnen Kanadas. Ansgar Walk stellt sie uns vor.
Ansgar Walk: Kenojuak. Lebensgeschichte einer bedeutenden Inuit-Künstlerin. Geb., 296 S., Pendragon Verlag, Bielefeld 2003, € 20,50.
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