| es ist eines der ungewöhnlichsten bücher der letzten jahre, ein buch, das ich beinahe atemlos gelesen habe. dabei erschien die französische vorlage schon 1968 in paris – der erstling des autors und späteren goncourt-preisträgers patrick modiano.
damals als „furioses debut“ tituliert, der leser wurde gewarnt: „dieses buch wird dir ins gesicht springen, wie eine vor schmerz verrückt gewordene katze“. modiano beschreibt das leben des französischen juden raphael schlemilovitch – einerseits der tapsige mensch, dem nichts gelingt, andererseits ein jüdischer tausendsassa, der, real oder im traum, in verschiedene zeitepochen eintaucht, mit den zeitläuften virtuos spielt, der dem autor vielschichtig die gelegenheiten bietet, seine "mythomanie" auszuleben – wirklichkeit und fiktion in einander fließen zu lassen. das imaginäre und das real anmutende verschieben sich über einander, historisch richtige elemente zwischen traumexplosionen lassen den leser halt verlieren, bereit mit zu schwimmen im geschichtenfluss. israel, der staat, kommt nicht gut weg in dem buch – parallelen zu gestapo-deutschland, ein erscheinen des buches in deutschland in den sechzigern wenig opportun. um so wichtiger das erscheinen des buches jetzt, dieses erste buch des heute viel gerühmten autors, der bereits mit diesem erstling sein thema gefunden hat: die perspektive der opfer, die perspektive der täter, und paris, die suche nach der identität.
dieses furiose, erzählte kompendium wurde großartig übertragen und mit einem nachwort versehen, das die bezüge innerhalb der geschichten aufschlüsselt wie ein netzwerk, das offengelegt wird. ein heftig aufregendes, ein furioses debut, vor über 40 jahren wie heute noch.
patrick modiano: place de l‘étoile. roman. geb., 189 s., hanser verlag, münchen 2010, 17,90 euro.
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