| „außerdem glaube ich an die ungeheure kraft der kunst. eine kraft, die sich niemals vermessen lässt, und dennoch eine mächtige, mit nichts zu vergleichende kraft ist.“
worte von warlam schalamow, einem erst seit wenigen jahren hier im westen zu entdeckenden, russischen dichter und erzähler. warlam schalamow hat die hölle erlebt, den gulag, und er beschreibt dies in seinen prosaberichten „erzählungen aus kolyma“ (im gleichen verlag wird das gesamtwerk warlam schalamows herausgegeben), er findet worte für das eigentlich unsagbare und entwickelt so seine ganz eigene prosa.
in diesem büchlein sind essays des dichters und erzählers versammelt, in denen dieser über die funktion seiner eigenen literatur und über die funktion von literatur und kunst überhaupt nachdenkt. vor allem darüber, was „zeitgemäße literatur“ ist – dokument, das alle schnörkel weglässt; dokument, das aus dem erleben heraus entsteht. ein dokument, das künstlerisch transformiert wird und dadurch mehr wird als bloßes dokument – das so durch eine literarische handschrift eine eigenart erhält. schalamow zeigt viele beispiele auf, das eindrücklichste ist wohl ossip mandelstam und vor allem die literatur seiner frau nadeshda, die mit ihren erinnerungen an den großen russischen dichter dokumentarisches leistet und zugleich literarisch ein denkmal aufstellt. deshalb machen auch die den essays nachgestellten, essayistisch verfassten briefe des verfassers, sinn – sie sind die monologisierende fortsetzung des essayistischen denkens in den aufsätzen vorher.
aber dieses buch ist mehr: gerade für den westlichen leser letztlich auch eine große informationsquelle, scharlamow ordnet die neuere russische literatur ein, bewertet, sicher subjektiv, aber mit argumenten, und er räumt mit manchen vorurteilen im westen auf (solschenyzin!).
ein lern-buch über die große russische literatur, und zugleich ein sehr persönliches buch, das worte findet für das entstehen von kunst, von literatur, wofür worte zu finden eigentlich kaum möglich ist.
warlam scharlamow: über prosa, brosch., 144 s., matthes und seitz verlag, berlin 2009, 12,80 euro.
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