| Themen: Besitz ist Freiheitsverlust. Besitzt zwingt zum Bleiben. (S. 15).
viele denken das genaue gegenteil: je mehr, um so freier. das zeigt dieser text in voller eindringlichkeit - bücher, gefährten, der zwang zum besitz, bücher als erinnerungsstützen, als bezügehersteller, bücher als … nein, nicht lebensersatz, bücher als das leben selbst. besitz zwingt zum bleiben – wer wüsste dies besser als derjenige, dem selbst die bücher auf dem kopf stehen, auf schritt und tritt in der eigenen wohnung; das ständige überlegen, wo noch ein regal angebaut, wo noch ein stapel bücher platz finden könnte, und wenn der platz gefunden ist, welcher stapel, welche zuordnung gewählt werden soll. die freiheit verlieren, und sie am anfang noch gerne verlieren, das kennzeichnet den bücherbesitz. Irgendwann kippt diese lust am buch, irgendwann ergibt man sich der diktatur des buchs – wie jener „montag“ im roman, der aufzugeben scheint, der fortan sich den bezügen zwischen buch und früheren leben ergibt. der besitz von büchern als freiheitsverlust.
Themen: Jedes Wort, das ihm banal erschien, war ihm zu viel. (S.28)
kennen sie das nicht, verehrte damen und herren, dieses verschwindenwollen angesichts der anhäufung von banalem aus dem mund der um den tisch versammelten, oder der – wie im roman – nach einer hochgestochen nichtssagenden einführungsrede in eine ausstellung von sogenannter kunst sich an ihren sektgläsern festhaltenden. wie durch einen nebel irrt man durch die herumschwirrenden sätze, unfähig, antwort zu geben, weil antwort bedeutete, sich gemein zu machen damit, was da auf einen einbrabbelt. flüchten-wollen. sich verstecken, in einem mauseloch verschwinden wollen; oder hinstehen und nur eines, nur etwas sagen wollen, etwas, das sie alle ihre nacktheit wie einen film vor augen führte, etwas, das den kaiser dastehen lässt unter all seinen devoten untertanen, bloß, primitiv, banal letztlich, nicht mehr ernst zu nehmen.
Themen: Was also brauchte er die Stadt? (S.32)
wozu sollte oder könnte man die stadt brauchen? wo man das ganze haus voller bücher hat? die stadt im buch, die stadt im kopf.
Themen: Ein Eindringling war er geworden … (S. 58)
wer schreibt, dringt ein. wer schreibt, verschafft sich zugänge in intimitäten, die andere vielleicht nicht einmal zu denken wagen. eindringen, nicht in das private von anderen, nein, viel wichtiger, viel bedeutsamer, UND viel gefährlicher: eindringen, tief, und zuerst, in das eigene; in das eigene denken, in das eigene tun, dieses wieder durch-denken, das tun in das denken integrieren, und das denken über das tun legen. so eindringen, in sich selbst. und es genießen, dieses eindringen. sich darin letztlich verlieren.
Themen: Wer sollte ihm das Recht nehmen, wenigstens im Nachhinein Herr seines Lebens zu sein? (S. 69).
den eigenen lebenslauf in der literatur korrigieren, ihm richtung geben, stringenz, folgerichtigkeit. die lebensträume ausleben. warum bloß? sind es nicht die kanten, die winkelzüge, ist es nicht das unerwartete, das das leben spannend machte, selbst im rückblick? es ist eine frage der perspektive, was warum und wie korrigiert werden sollte; fragte ich den beobachter meiner eskapaden, fände er vielleicht gerade das spannend. Im nachhinein, vom sessel aus, den herr spielen – und schreiben, anschreiben gegen das versäumte, gegen das erwartete, das nicht eintraf, und gegen das unerwartete, das uns überraschte. literatur als die möglichkeit, ersatzleben zu bilden.
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