| Er war einer der letzten Emigranten aus Nazi-Deutschland, Hans Sahl, und war erst weit über 80jährig wieder zurück nach Deutschland übersiedelt. 1902 als Sohn eines jüdischen Industriellen in Dresden geboren, wurde er Film-, Theater- und Literaturkritiker, musste 1933 fliehen, lebte dann in New York als Korrespondent der großen deutschen Zeitungen, als Übersetzer unter anderem von Thornton Wilder und Arthur Miller.
Im Jahr 1923 hatte er sein erstes Gedicht veröffentlicht – in der damals renommierten „Weltbühne“. Und der Dichtung galt seine große Liebe – sie, und das Schreiben von Gedichten, begleitete ihn durch sein ganzes Leben. Er besann sich in der Dichtung auf sich selbst zurück, Dichtung gab ihm die Möglichkeit zur Kritik – an den Moden der Zeit, aber auch an sich selbst. Zeitkritisches – man lese nur das Gedicht „Vietnam“, Reflektierendes – z.B. „Alter“, Hans Sahl geht vielen Kernfragen des Lebens auf den Grund, geschult an den klassischen Formen und doch den eigenen Ton findend schuf er Gedichte ganz eigener Prägung. In diesem Buch sind erstmals seine verstreut veröffentlichten Gedichte zusammengefasst, dazu kamen zahlreiche unveröffentlichten Gedichte – ein lyrisches Werk wird endlich als Ganzes zugänglich gemacht.
Hans Sahl: Die Gedichte. Geb., 336 S., Luchterhand Literaturverlag, München 2009, 19,95 Euro.
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