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Eine kritische Beschreibung der Türkei seit 1900 gelingt Perry Anderson mit diesem Buch, eine Bestandsaufnahme der türkischen Gesellschaft, mit einer soliden Grundsympathie, die aber nicht blind macht – schonungslos zeigt er Risiken und Gefahren der gesellschaftlichen Entwicklungen auf, auch im Hinblick auf den geplanten EU-Beitritt des Landes; autoritäre Strukturen, die nach wie vor vorherrschen, zeigt der Autor auf, die Standpunkte der Türken den Minderheiten gegenüber, die als Bedrohung aufgefasst werden, der immer noch verleugnete Völkermord an den Armeniern als Zeichen der Geschichtsinterpretation von staatlicher Seite. Eines wird deutlich: die Türkei ist, gerade durch die Reformen Atatürks, ein modernes Land, das nach wie vor tief im Islam verhaftet ist, und das eine dauernde Zerreißprobe auszuhalten hat. Zentraler Satz: Die Türken sind längst in Europa. Ihr Staat noch nicht.
Perry Anderson: Nach Atatürk. Die Türken, ihr Staat und Europa. Geb., 184 S., Berenberg Verlag, Berlin 2009, 19,- Euro
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