| Eine imposante, eine eindrucksvolle Ausstellung in diesem ersten Halbjahr im Stuttgarter Linden-Museum; und ein genau so imposanter, opulent ausgestatteter Ausstellungskatalog. Seit Alters her ist der Westen fasziniert von Sibirien, von der Weite dieses Landes, und von den uralten Traditionen. Auch das Schamanentum trägt zur Faszination Sibirien bei. Dieses Buch zeigt uns anhand von einzelnen Schamanen diese Lebens- und Glaubenswelt auf, die auch 70 Jahre Sowjetunion nicht ganz ausrotten konnte. Zunächst einmal bestechende Fotos, grandiose Aufnahmen der Natur Sibiriens und die Erkenntnis, dass es dort einzigartige Landschaften zu entdecken gibt, - und nicht nur. Sibirien ist auch ein großes Kulturland und darf nicht auf den Verbannungsort für Unliebige in der Stalinzeit reduziert werden. Es leben dort Völker mit uralischen, mit paläoasiatischen Sprachen, tungusischsprachige Völker, turk- und mongolischsprachige Völker – alle mit eigenen Kulturen, mit eigenen religiösen Ausformungen.
Sibirien kann also nicht als Einheit wahrgenommen werden, sondern muss in seiner Vielfalt erschlossen werden. Das Buch (und die Ausstellung) zeigt Gegenstände der Alltagskultur – Kleidung, Schmuck, Werkzeuge für die Jagd - , historische und zeitgenössische Aufnahmen, es räumt mit im Westen geformten Weltbildern auf und versucht eine Annäherung an das Leben unter zum Teil extremen klimatischen Bedingungen, auch an das aufeinander Angewiesensein von Mensch und Tier.
Wie „wird“ ein Schamane zum Schamanen, welche Züge zeichnen ihn aus, welche rituelle Kleidung trugen die historischen und welche die heutigen Schamanen, wie wandelt sich die Definition des Heiligen in der modernen Zeit? Dieses Buch gibt Antworten. Anhand von vielen vielen Bildern, und anhand von kenntnisreichen, lesbar geschriebenen Aufsätzen der besten Sibirienfachleute, deutschen wie auch des russischen Ethnographischen Museums in St. Petersburg. Es ist die Entdeckung einer neuen Welt, die hier Schritt für Schritt vollzogen werden kann.
Die Einflüsse des Schamanentums auf die Künste und auch auf westeuropäisch-esoterische Bewegungen werden darüber hinaus ausführlich behandelt. Interessant auch die Sammlungsgeschichte der Gegenstände im Ethnografischen Museum in St. Petersburg und im Linden-Museum Stuttgart, aus deren Bestände die Ausstellung und dieser prachtvolle Band ausgestattet wurde.
Erich Kasten (Hg.): Schamanen Sibiriens. Magier – Mittler – Heiler. Geb., 255 S., 346 Farb-Abb., Dietrich Reimer-Verlag, Berlin 2009, 39,90 Euro.
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