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Kulturtipps von Uli Rothfuss_Buchtipp 204

Kulturtipps von Uli Rothfuss im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg

"Gedichte !

"Irrlichter" von Silke Heimes (s.u.)

"Ahoi!" – Gedichte aus 25 Jahren Haymon Verlag (s.u.)

"Der reine Blick auf die Dinge" von Remo Fasani (s.u.)

"Der alte Mann" von Günter Kunert
"Gefährliche Launen"“ von Nora luga

"Irrlichter“ von Silke Heimes

Lyrische Reflexionen, Beobachtungen, die poetisch Gestalt finden, die Gedichte von Silke Heimes. Die Dichterin stellt Überraschendes in Zusammenhänge, und verwendet dafür Bilder, die erst einmal ertastet werden wollen beim Lesen. Manchmal verwendet sie Reihungen, steigert dadurch die Intensität bis an die Grenze des Erträglichen, mit Absicht. Es ist eine intensive Lyrik, die Heimes schreibt, mit gewagten Assoziationen, dabei verwendet sie eine einfache, verständliche Sprache. Die Kraft zieht sie dabei aus dem Alltäglichen, dem Erlebten, das sie transformiert in Sprache, und dem Leser bleibt, das mit den eigenen Erfahrungen zu verbinden. Der Titel passt, „irrlichter“, ihnen nachfahren und so in diesem Band Sprachabenteuer bestehen.

Silke Heimes: irrlichter. Gedichte. Geb., 101 S., Wiesenburg Verlag, Schweinfurt 2008, 12.90 Euro.

"Ahoi!" – Gedichte aus 25 Jahren Haymon Verlag

So lange besteht dieser Verlag, und während der gesamten Verlagsgeschichte wurden auch Lyrikbände veröffentlicht. Ein Lesebuch, das ein Wegweiser durch die zeitgenössische Lyrik ist. „Das Meer beginnt vor der Tür“, schreibt Herausgeber Christoph W. Bauer, und es lädt ein zum Entdecken. Gedichte von Jürg Amann bis Markus Valazza, „Gedichte sind, sie bedürfen keiner Rechtfertigung und schon gar nicht kluger Erklärungsversuche“ – sagt Bauer, und so gilt es, die Gedichte für sich zu suchen, zu finden, wunderbare Findlinge wie diesen: meine augen durch deine – dein ankommen wiederkehr in ein land/ fremd vertraut neu geschenkt/ du verschiebst die zeiten/ dein atmen meines/ bildet dein mund meine worte/ sehen meine augen durch deine/ so bist du gewachsen in mir und/ aus mir heraus so wachse ich/ aus mir heraus und zu mir/ zurück.

Christoph W. Bauer (Hrsg.): Ahoi! Gedichte aus 25 Jahren Haymon Verlag. Geb., 112 S., Haymon Verlag, Innsbruck 2007, 14,90 Euro.


"Der reine Blick auf die Dinge" von Remo Fasani

Ein zweisprachiger Gedichtband, italienisch und deutsch, von Remo Fasani, der aus dem bündnerischen Mesocco stammt und in Neuchatel lebt, und seine erstmals im deutschsprachigen Raum vorgestellte Lyrik ist ein Erlebnis. Eng verwoben mit der Stille der Landschaft, scheinen die Gedichte in einem Zustand der Schwebe, des Nicht-mehr- und Noch-nicht-Seins und dabei des völligen Aufgehobenseins in festen Koordinaten von Zugehörigkeit. Fasani gelingt es mit minimalem Aufwand, Bilder vor uns, die Leser, hinzustellen, die kraftvoll sind und doch nicht bedrohen; die Bedrohungen zeigen, aber, nein, sie nicht bannen, aber sie auch als Möglichkeit hinstellen, damit umzugehen. Dabei spielt die Landschaft immer eine zentrale Rolle, als Sinnbild für menschliches Dasein, für Beziehungen, für Entwicklungen, für Stillstand. Wunderbar, diese Verse: „Und noch ehe die Stimme verstummt./ kehrt siegreich die Stille zurück“ – scheinbarer Widerspruch, der sich in der Schwebe aufhebt; der Dichter kehrt zurück zum Anfang, zu den Begründungen für unser Dasein, und diese vermittelt er mit Dichtung, um ein Vielfaches eindrücklicher als mit jedem wissenschaftlich stotternden Beweis.

Remo Fasani: Der reine Blick auf die Dinge. Il puro Sguardo sulle Cose. Gedichte. Limmat Verlag, Zürich 2006

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